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Kommentar von Nicole Walter
Liest man die Schlagzeilen, hat man Eindruck, mit Berlins Jugend geht es steil bergab. Gewalt unter Jugendlichen auf dem Schulhof, in der Sporthalle oder auf dem U-Bahnsteig scheint fast alltäglich. “Jeder Sechste ist Opfer von Gewalt” schreibt die Berliner Zeitung. “Beim Schwänzen und Kiffen liegen Berlins Schüler vorne” titelt der Tagesspiegel online. “Gewaltopfer: Wir wurden alle Opfer von Gewalt” heißt es bei der BZ.
Die Studie, die dem zugrunde liegt, wirft viele Fragen auf und wirft von Wissenschaftlern kritisiert. Sie wurde vorigen Mittwoch in Berlin von ihrem Autor, Christian Pfeiffer, Kriminologe und Jurist, vorgestellt. Titel: “Jugendliche als Opfer ud Täter von Gewalt in Berlin”. Pfeiffer leitet das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen. In Auftrag gegeben und bezahlt wurde die Studie von der Berliner Landeskommission gegen Gewalt und mehreren Senatsverwaltungen. Die lobt Pfeiffer dann in der Studie und vor der Presse ausdrücklich für ihre “gute Präventionsarbeit”.
Befragt wurden für die Studie 3.167 Jugendliche der 9. Jahrgangsstufe in Berlin. Fast jeder zweite Jugendliche, den die Forscher befragen wollten, hat dies abgelehnt (Rücklaufquote 45 %). Anders ausgedrückt: Von 305 angefragten Klassen haben 121 abgesagt. Es sei damit nicht auszuschließen, dass bestimmte Schülergruppen nicht erreicht wurden, geben die Forscher zu. Pfeiffer schiebt das auf die Schulen, die nicht kooperiert hätten. Ein möglicher Grund: Es gab viel Kritik an der Art, wie die Fragen gestellt wurden. Daran, wie zwischen Jugendlichen mit deutschen Eltern und solchen mit nicht-deutschen Eltern unterschieden wurde. Und dass zu locker mit dem Datenschutz umgegangen worden sei.
Ergebnisse der Jugendgewalt-Studie:
Jetzt liegt die Studie vor. Einige Aussagen:
- 17,9 % der befragten Jugendlichen waren in den 12 Monaten vor der Befragung Opfer von Gewalt. Am häufigsten wurden sie körperlich verletzt, sexuell belästigt oder beraubt.
- Mobbing durch Lehrkräfte in der Schule erleben 37,6 % der Befragten.
- Dreiviertel der Befragten sagen, sie erlebten selten oder manchmal Schlägereien und Cybermobbing in der Schule. Jeder zehnte erlebt oft Schlägereien.
- Rund 60 % erleben selten oder manchmal Alkoholkonsum in der Schule. Etwa jeder zweite Befragte erlebt selten oder manchmal Raub, Erpressung oder Drogenkonsum. Nur wenige sagen, dies komme oft vor.
- 14,5 % der Befragten sagen, sie hätten in ihrer Kindheit schwere Gewalt durch ihre Eltern erlebt.
- Jeder fünfte der befragten Neuntklässler gibt laut der Studie an, in seinem Leben mindestens ein Gewalt- oder Eigentumsdelikt ausgeübt zu haben. Am häufigsten sind Ladendiebstähle, Körperverletzung, Sachbeschädigung ind Graffitisprühen.
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