Stiftung für Mauerpark als Welt-Bürger-Park am Start

Do it yourself – nicht ohne Reibung, aber immer authentisch: der Mauerpark

“Wir machen es selbst” – und vollenden den Mauerpark. Als Welt-Bürger-Park, öffentlich, grün, frei. Das ist das große Ziel der gleichnamigen Stiftung, die jetzt damit beginnt, Geld zu sammeln und den Mauerpark vor einer anliegenden Bebauung zu bewahren. Ein Interview mit den Stiftungsmitgründern Heiner Funken und Sylvia Kollitz.

Von Nicole Walter : Heiner Funken, Sylvia Kollitz und ihre Stiftungskollegen haben ganz Großes vor. Genug Geld zu sammeln, um das zehn Hektar große Areal um den Mauerpark vor der Bebauung zu bewahren und den Mauerpark in seiner vollen ursprünglich geplanten Größe als “Welt-Bürger-Park” zu schaffen. Öffentlich, grün, frei. Das Spendenkonto ist jetzt eingerichtet und demnächst soll ein internationaler Workshop stattfinden, um die Webkampagne zu gestalten, sagten Funken und Kollitz gestern im bier statt blumen-Interview.

Neun Millionen Euro ist die Hausnummer. Soviel ist das zehn Hektar große Areal derzeit wert. Aber die neun Millionen sind eben auch “nur” eine Hausnummer, denn nicht das Geld allein sei das Ziel. Sondern ein so starkes Signal zu setzen, dass die Politik die Bebauungspläne in die Schublade zurücklegt und den Mauerpark vollkommen als Grünfläche plant, sagt Funken.

Eine Idee, die über den Mauerpark hinausgeht: “Dann machen wir’s eben selbst”, eine Protestbewegung, die über ein klares Nein hinausgeht und selbst gestalten will. Und ein großer Kraftakt: Alle Stiftungsgründer stehen mitten im Berufsleben und arbeiten ehrenamtlich. Sie wuseln sich im Feierabend durch das komplizierte Stiftungs- und Vereinsrecht und bereiten die Kampagne vor. “Wir hatten das Glück der Naivität, dass wir nicht wussten was formal auf uns zukommt”, sagt Funken. Ein Beispiel: Der gemeinnützige Verein für die Stiftung ist offiziell gegründet, aber noch nicht im Vereinsregister eingetragen, daher ist die Gemeinnützigkeit noch nicht bestätigt. “Wir warten täglich darauf”, sagt Sylvia Kollitz.

“Mauerpark is our Park” -
das Demonstrationsmotto soll Wirklichkeit werden.

Die Chancen dafür, dass die Stiftung für den Mauerpark als “Welt-Bürger-Park” hohe Wellen schlägt, stehen gut. Denn gegen eine anliegende Bebauung mit Hotels, Gewerbe und einer Wohnsiedlung gibt es seit langem großen Widerstand. Von den Menschen in Berlin, von Menschen aus aller Welt, die den Mauerpark kennen, und auch von Politikern. Kein Politiker in den Parlamenten der zuständigen Bezirke Pankow und Mitte und in der Abgeordnetenversammlung Berlins hat sich für die Bebauung als Wunschlösung ausgesprochen. Allein die leeren Kassen Berlins würden dazu zwingen. Hintergrund: Das Areal für die Mauerpark-Erweiterung gehört heute der Immobiliengesellschaft Vivico. Die will dem Land Berlin zwar knapp sechs der insgesamt zehn Hektar schenken – aber nur wenn sie auf dem Rest bauen darf. Auf einen solchen Deal wollen sich die Stiftungsgründer, viele Bürgerinitiativen und Berliner nicht einlassen. “Wir nehmen es selbst in die Hand” ist ihre Devise. “Mauerpark is our Park”, mit diesem Motto ist zum Beispiel die Initiative “Mauerpark fertigstellen” in den Protest gezogen.

“Um das zu schaffen werden wir uns ganz klassisch mit der Sammelbüchse in den Park stellen, außerdem Konzerte und Führungen durch den Mauerpark veranstalten, und das Internet nutzen”, sagt Funken. Flashmobs sind eine Idee: Über das Internet werden spontan viele Menschen zu Aktionen für den Mauerpark aufgerufen. Allein zu Schneeballschlachten im Görlitzer Park kommen so durch die Flashmobs Hunderte von Menschen zusammen. Über 5.000 Stimmen und Zuschriften für den Parkausbau und gegen die Bebauung hätten sie allein im September von Menschen aus aller Welt bei einer Vor-Ort-Aktion im Mauerpark bekommen, erzählt Kollitz.

Das Mauerpark-Areal kurz nach der Wende (c) Christian Martin

Doch zeitgleich wird andernorts schon an der Bebauung gefeilt: Der Bezirk Mitte hat den Entwurf des Bebauungsplans präsentiert, die Vivico hat acht Architekturbüros zu einem Wettbewerb eingeladen, dessen Ergebnisse sie schon im Februar präsentieren will. Eine “Bürgerwerkstatt” arbeitet seit dem Spätsommer an Ideen für die sechs Hektar Parkerweiterung, die die Vivico dem Land Berlin als Dankeschön für ein großzügiges Baurecht im Norden und Süden des Parks geben will.

Die Allianz-Stiftung hatte in den neunziger Jahren 4,5 Millionen für die Pflanzung des Mauerparks gegeben, mit der Auflage, dass Berlin 2,5 Millionen zurückzahlen muss, wenn der Park bis 2010 nicht zehn Hektar groß ist, wofür die sechs Hektar von der Vivico notwendig sind. Doch die Allianz-Umweltstiftung gewährt einen Aufschub bis in dieses Jahr hinein.

Dennoch, ist die Zeit nicht viel zu knapp für die Stiftung Welt-Bürger-Park, sind nicht schon zu viele Marken in Richtung Bebauung gesetzt? “Vor den Wahlen zum Abgeordnetenhaus im September wird nichts festgezurrt. Jeder Politiker weiß, dass ein Beschluss in Richtung Bebauung im Wahlkampf wie ein Bumerang auf ihn zurückschlagen wird”, sagt Funken. Zudem gebe es momentan keine Mehrheit dafür in den zuständigen Parlamenten. Die Allianz-Stiftung habe signalisiert, “dass sie unserer Sache nicht abgeneigt ist”. Funken weiter: “Über die Zukunft des Mauerparks wird schon so lange gestritten. Da war vor zwanzig Jahren mal eine Autobahnauffahrt geplant, und die Menschen haben aus Protest neben den Wachtürmen gepicknickt und das verhindert. Die Bürger haben den Park Stück für Stück der Stadt abgerungen. Und es gab immer ein Hand voll Hanseln, denen es gelungen ist, eine Bebauung zu verhindern. Und es wird uns auch diesmal gelingen. Wir werden zu Null gewinnen”.

Der Entwurf für den Bebauungsplan

Links:

>> Die Stiftung Welt-Bürger-Park

>> Bericht über das Zwischenkolloqium der Bürgerwerkstatt

>> Hintergründe auf der Seite von “Mauerpark fertigstellen”

>> aus dem Archiv: bier statt blumen über den Mauerpark | September 2009

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