“Architektur-Zoo” im Mauerpark?

Wie könnte der Mauerpark in ein paar Jahren aussehen? Entwürfe hierzu sind seit dem 19. März im Brunnenviertel zu sehen. Die Meinungen dazu gehen weit auseinander: Während ein Besucher von einem “Architektur-Zoo” spricht, findet es ein anderer wichtig, dass freie Flächen in Berlin “zur Diskussion stehen”. bierstattblumen hat Besucher am Eröffnungstag nach ihren Einschätzungen gefragt.

Die Immobiliengesellschaft Vivico und der Bezirk Mitte zeigen in der Ausstellung die Architektenentwürfe für eine mögliche Bebauung des Mauerparks im Norden (Wohnen) und im Süden (Gewerbe). Ob tatsächlich gebaut wird, ist unklar. Denn derzeit gibt es keine Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung für das notwendige Baurecht. Gegen die Baupläne gibt es starken Widerstand in der Bevölkerung (zur aktuellen Entwicklung >). Dennoch stehen die Politiker unter Druck: Denn wenn die Vivico nicht bauen darf, schenkt sie dem Land Berlin nicht die in Aussicht gestellten 6 Hektar Mauerpark-Erweiterung und dem Land droht eine Schadensersatzzahlung von mehr als 2,5 Millionen Euro.(Hintergrund >).

Der Entwurf von Carsten Lorenzen (Kopenhagen), 2. Wettbewerbssieger


Wie die Vivico den Norden und den Süden des Mauerparks gerne bebauen möchte, ist bis zum 2. April in der Brunnenstraße 55 im Wedding zu sehen. Gezeigt werden Entwürfe der Architektenbüros, die die Vivico im Herbst 2010 zu einem städtebaulichen Wettbewerb eingeladen hatte. Dabei vergab das Preisgericht keinen ersten Sieg, sondern zwei 2. Preise an die Büros Carsten Lorenzen APS (Kopenhagen) und Zanderroth Architekten (Berlin) sowie einen 3. Preis an Léon Wohlhage Wernik (Berlin).

Lars Herting ist einer der Betreiber des sonntäglichen Flohmarktes am Mauerpark. Der ist nur dann nicht proppevoll, wenn die Temperaturen unter minus 20 Grad sinken und Schnee bis auf Kniehöhe fällt. Ansonsten ist er ein Magnet für Berliner und Touristen. Wie es mit dem Flohmarkt weitergeht, wenn die Vivico das Gelände bebauen will, darüber machen sich die Flohmarkt-Betreiber seit längerem Gedanken. Sie haben einen eigenen Entwurf vorgelegt, der bei der Vivivo jedoch keine Gegenliebe fand (mehr dazu >). Lars Herting hat sich die Architekturausstellung gleich am Eröffnungstag angesehen: In einigen Entwürfen sieht er Raum für das Fortbestehen des Flohmarktes – auch ein ausdrücklicher Wunsch der meisten Politiker im Bezirk Mitte.

Frank Zopp

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Frank Zopp ist Berliner und lebt in Prenzlauer Berg. Dass der Mauerpark bebaut werden könnte, mag er sich nur schwer vorstellen. Sollten im Norden Wohnhäuser gebaut werden, sieht er unweigerlich Konflikte zwischen den neuen Anwohnern und den Parknutzern wegen Lärms und Trubel aufziehen – wie derzeit vielerorts in Prenzlauer Berg. Zopp kann sich mit keinem der Entwürfe wirklich gut anfreunden, findet aber zwei Vorschläge der Architekten für die Wohnbauten im Norden einigermaßen akzeptabel: Wellenförmige Häuser mit Dachbegrünung und die Stadtvillen der 2. Sieger Carsten Lorenzen APS.

Karaoke im Mauerpark, und 100 Meter weiter startet ein entspannter Sonntagnachmittags-Rave. Viele erwarten, dass künftige Anwohner nicht mittanzen würden, sondern Beschwerden einreichen. Foto: Christian Martin

Der Entwurf der Zanderroth Architekten, ebenfalls 2. Wettbewerbssieger

Der Zanderroth-Entwurf für die Gewerbebauten im Süden des Mauerparks

Bernd Krüger

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Bernd Krüger ist Landschaftsarchitekt und engagiert in der Initiative “Freunde des Mauerparks”. Er kennt die Diskussion über die Zukunft des Mauerparks gut und hatte auch vor der Ausstellung schon die Gelegenheit, sich die Entwürfe anzusehen. Bei einigen Architekten sieht er zuviel Egoismus im Spiel und zu wenig Beschäftigung mit dem Ort und seinen Besonderheiten. Krüger spricht von einem “Architektur-Zoo” und wünscht sich, dass einiges an den Wettbewerbsentwürfen verbessert wird – sollte es zu einer Bebauung kommen. Vor allem sollten die Häuser kleiner und flacher gebaut und ein Mindestabstand zur Parkfläche und zum Kinderbauernhof im Norden eingehalten werden. Die Bürgerwerkstatt – rund 30 Parkanwohner aus dem Wedding und dem Prenzlauer Berg, die die Entwicklung des Mauerparks mitgestalten wollen – hat solche Mindestforderungen aufgestellt.

Merlin W. Krüger

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Merlin W. Krüger studiert Architektur in Berlin, er findet: Der Kontrast zwischen Bebauung und freier Fläche, zwischen Enge und Weite, gehört in eine Großstadt wie Berlin. Nur eine Erweiterung des Parks, das allein sei noch kein guter Entwurf. Wert legt er darauf, dass eine neue Bebauung die soziale Mischung in den Kiezen bewahren und schützen solle. Neue soziale Ungleichheiten könne die Stadt nicht brauchen.

Ralf Engelke

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Ralf Engelke wünscht sich, dass der Mauerpark zu voller Größe ausgebaut wird. Wie ursprünglich geplant. Der Park könne ruhig noch mehr Platz einnehmen, heute sei er oft mehr als gut ausgelastet. Er selbst nutzt den Park oft und gerne. Und ihn treibt die Sorge um die Gentrifizierung um: Wird dort im Mauerpark gebaut, so befürchtet er einen Anstieg der Mieten im Wedding. Schon heute müssten einige ehemaliger Prenzlberger in den Wedding ausweichen – mit der Folge, dass auch im Wedding die Mieten anziehen. Engelke erwartet, dass sich diese Spirale weiter nach oben dreht, wenn im Mauerpark neue, gut ausgestattete Wohnungen gebaut werden.

Der 3. Wettbewerbssieger: Der Entwurf des Architektenbüros Léon Wohlhage Wernik

Der Entwurf von "Léon Wohlhage Wernik" für den Süden des Parks an der Bernauer Strasse

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5 Responses to “Architektur-Zoo” im Mauerpark?

  1. Pingback: Mauerpark: Stunde Null | Mauerpark Stiftung Welt-Bürger-Park

  2. DBK says:

    Boys´ games, deja vu. Gibt es auch Frauen, die was zu sagen haben?

    • AR says:

      Genau das fiel mir auch ein, obwohl es zum Thema weitaus mehr zu sagen gäbe. Wahrscheinlich sitzen die Damen in den schicken Cafes in der Oderberger?

  3. Pingback: confronting comfort: ¡ OCCUPY MAUERPARK ! ·

  4. Pingback: MAUERPARK-blog: MAUERPARK-BETON: Nächster Versuch - nun auch mit BETON-VERTRAG!

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