Ausstellung über Bau-Entwürfe für den Mauerpark beginnt

Schaufenster der Ausstellung in der Brunnenstrasse

nic : 18. März 2011 aktualisiert | Am 19. März beginnt ohne großes Bohei die Ausstellung der Bau-Entwürfe für das Mauerpark-Areal. Zwei Wochen lang wird sie dann in einem Pavillon in der Brunnenstraße im Wedding zu sehen sein. “Es gibt keine besondere Eröffnung, da wird schlicht die Tür aufgeschlossen und die Ausstellung beginnt”, sagte heute Udo Harttung vom Bezirksamt Mitte (Fachbereich Stadtplanung) zu bier statt blumen. Die Ausstellung wird mit Spannung erwartet, denn die Wettbewerbsentwürfe der Architekten stoßen in der Berliner Bevölkerung auf große Kritik. Bürgervertreter aus dem Wedding und Prenzlauer Berg hatten die Entwürfe der Wettbewerbssieger abgelehnt, weil die die Belange der Mauerpark-Nutzer und der Anwohner nicht angemessen berücksichtigen würden.

Die Ausstellung: 19. März bis 2. April 2011, 12 -16 Uhr in der Brunnenstraße 55. Mo – Fr 15 – 19 Uhr.

Abgeordnete des Bezirks Mitte hatten Ende Februar das Bürgerbeteiligungsverfahren zum Mauerpark teils heftig kritisiert. Im Mittelpunkt des BVV-Ausschusses im Februar stand die Auswertung der 2.649 schriftlichen Einwände der Bürger. “Diese Auswertung ist ausgesprochen dünn”, sagte Claudia Hilse (CDU). “Offensichtlich wird kein einziger Einwand wirklich ernst genommen”, sagte Heiner Funken vom Berliner Iniativen Netzwerk (BIN).

Rund 2.700 Bürger hatten sich im Spätsommer an der so genannten frühzeitigen Bürgerbeteiligung zur geplanten Bebauung des Mauerparks beteiligt. Bis auf einen Kommentar äußern alle Bedenken gegen die Baupläne des Bezirks. Dennoch schreibt das Bezirksamt Mitte im letzten Satz der jetzt diskutierten Auswertung: “Zusammenfassend ist zu konstatieren, dass (…) das Verfahren des Bebauungsplanes unter Beachtung vorgebrachter Hinweise weiter verfolgt wird.” Viele Abgeordnete kritisierten deshalb, dass die Einwände der Bürger nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Die Auswertung ist hier nachzulesen.

Diskutiert wurde im Ausschuss für Stadtentwicklung der BVV Mitte am Mittwoch abend auch, wie es jetzt weitergeht. Sowohl Baustadt Ephraim Gothe als auch die Bürgerwerkstatt, vertreten durch Alexander Puell (Freunde des Mauerparks), betonten, sie wollen weiter im Gespräch bleiben. Wann und in welchem Rahmen das stattfindet, ist allerdings derzeit offen. Am Montag abend hatte die Bürgerwerkstatt mehrheitlich beschlossen weiterzumachen – nach langer, heftiger Diskussion. Auch ein Workshop ist im Gespräch, um Alternativen zu der derzeit ziemlich festgefahrenen Situation zu finden.

Vielleicht ist die Ruhe bald vorbei: im Mauerpark soll gebaut werden

Die Bürgerwerkstatt zum Mauerpark macht weiter. Das ist alles andere als selbstverständlich: In einer anstrengenden und intensiven Debatte am Montagabend wurde darum gerungen, ob das gemeinsame Bürgergremium von Wedding und Prenzlauer Berg weiter an der Zukunft des Mauerparks mitarbeitet – oder ob es aufgibt. Die Mehrheit hat sich dafür ausgesprochen weiterzumachen.

Udo Harttung vom Bezirksamt Mitte (Fachbereich Stadtplanung) sagte zu bier statt blumen: “Beide Seiten sind gesprächsbereit. Aber wie es jetzt konkret weitergeht, welches die nächsten Schritte sind, kann ich derzeit noch nicht sagen.” Offenbar sind aber Ideen wieder auf dem Tisch, die eigentlich schon abgehakt waren, weil sie nicht realisierbar schienen. Etwa dem Grundstückseigner Vivico mit Hilfe des Liegenschaftsfonds eine Ersatzfläche anzubieten. Dort könnte die Vivico dann bauen und der Mauerpark bliebe von einer Bebauung verschont. Oder, das Land Berlin greift dem Bezirk Mitte unter die Arme und hilft, das Areal zu erwerben und so eine Bebauung zu vermeiden. Beides erwähnte Harttung gegenüber bier statt blumen und sagte: “Alle Möglichkeiten werden geprüft. Wir denken eigentlich in alle Richtungen.” Sollte eine Bebauung nicht zu verhindern sein, könne aller Wahrscheinlichkeit nach frühestens Mitte nächsten Jahres der Bebauungsplan beschlossen werden.

Die Wahrscheinlichkeit sinkt jedoch, dass der Bebauungsplan für den Mauerpark so beschlossen wird, wie er jetzt im Entwurf vorliegt. “Wenn es keinen Konsens gibt, dem die Bürgerwerkstatt zustimmt, wird der Bebauungsplan keine Mehrheit finden”, das sagte jetzt Frank Bertermann (Bündnis 90/Die Grünen) auf Nachfrage von bier statt blumen. Die Grünen regieren im Bezirk Mitte zusammen mit der SPD, die u.a. den Baustadtrat Ephraim Gothe stellt. “Der kommende Montag, der 21. Februar, wird für uns entscheidend. Dann werden wir hören, wie sich die Bürgerwerkstatt zu den preisgekürten Entwürfen der Architekten stellt”, so Bertermann, der auch den Vorsitz des Ausschusses für Stadtentwicklung in der Bezirksverordnetenversammlung von Mitte innehat. “Stellt sich die Mehrheit der Bürgerwerkstatt gegen die Entwürfe und den Bebauungsplan, wird es ein neues Verfahren geben.” Am Mittwoch, dem 23. Februar, findet die nächste Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses statt, der Mauerpark wird ein Thema sein.

Der Wettbewerb zur Bebauung des Mauerparks war am Freitag, dem 11. Februar, überraschend verlaufen: Die meisten Architekten haben so massive Bauten und so wenig parkverträgliche Ideen entwickelt, dass den vier Delegierten der Bürgerwerkstatt der Kragen platzte. Sie haben die Jurysitzung zur Kür des Wettbewerbssiegers vorzeitig verlassen.

Das Preisgericht hat indes drei Entwürfe ausgewählt: Das Siegertreppchen blieb leer. Stattdessen gibt es zwei zweite Preise: für die Büros Prof. Dipl. Arch. Carsten Lorenzen APS (TU Dresden) und Zanderroth Architekten (Berlin). Den dritten Preis erhält das Charlottenburger Architekturbüro Léon Wohlhage Wernik. Alle Entwürfe sollen in Kürze im Bezirk Mitte ausgestellt werden, voraussichtlich innerhalb der nächsten vier Wochen, sagte Vivico-Sprecher Wilhelm Brandt. Die Bürgerwerkstatt sieht ihre Wünsche und Forderungen in keinem der frei ausgewählten Entwürfe respektiert. “Keiner der Entwürfe hat die Forderungen der Bürgerwerkstatt in akzeptabler Form umgesetzt. Die Diskussion kann nur bedeuten, daß auch die Vivico weiß: mit diesen Entwürfen ist gerade erst mal ein kleiner Schritt gemacht”, sagt Alexander Puell, einer der vier Delegierten der Bürgerwerkstatt, zu bier statt blumen.

“Wir sind frustriert. Es hat sich nichts bewegt. Die Einwände gegen eine massive Bebauung, die die Bürgerwerkstatt formuliert hat, sind nicht berücksichtigt worden”, sagte Alexander Puell. “Wir wollen uns nicht vereinnahmen lassen, deshalb sind vorzeitig gegangen”, so Puell direkt am Abend der Preisgericht-Sitzung.

Die Bürgerwerkstatt und ihre Delegierten haben zwar kein Stimmrecht im Wettbewerb zum Mauerpark. Aber sie vertreten die Interessen vieler Bürger in Prenzlauer Berg und Wedding und werden deshalb von vielen Abgeordneten ernst genommen. Und die Stimmen der Abgeordneten im Bezirk Mitte braucht wiederum der Grundstückseigner Vivico, wenn er den Mauerpark im Norden und im Süden bebauen will. Diese Randbebauung sei sowieso für die Bürgerwerkstatt nur ein mit Bauchschmerzen mitgetragener Kompromiss, um die Parkerweiterung um sechs Hektar im Gegenzug zu erhalten, sagen die Delegierten der Bürgerwerkstatt. Diese hat deshalb Forderungen veröffentlicht – maximale Bauhöhe, öffentliche und parkverträgliche Nutzungen im Erdgeschoss, Mindestabstand der Häuser zum Park -, die die in Mitte mitregierenden Grünen politisch durchsetzen wollen.

Die Hinterlandmauer am Jahnstadion

Voraussichtlich am 21. Februar will sich die Bürgerwerkstatt treffen, um ihr weiteres Vorgehen festzulegen. Dazu sind auch interessierte Abgeordnete der BVV Mitte eingeladen. “Wir sind weiter gesprächsbereit. Die Tür zu Verhandlungen mit dem Grundstückseigner Vivico und den Politikern in Bezirk und Senat ist nicht zugeschlagen”, so die Delegierten. “Aber dann müssen die Wünsche und Forderungen der Bürgerwerkstatt auch respektiert werden”, sagte Alexander Puell. Er ist froh, dass die Vivico auch nach der Entscheidung des Preisgerichts die Tür offenbar nicht zuschlägt und sich weiter gesprächsbereit gibt. Bei der Vivico wird das so formuliert: “Die ausgewählten Entwürfe sollen im weiteren Verfahren mit Bezirk und Bürgerwerkstatt diskutiert und in Kürze ausgestellt werden.”

Hintergrund und mehr Informationen zum Mauerpark auf bier statt blumen >>
Die Freunde des Mauerparks >>
Die Stiftung Welt-Bürger-Park >>

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