Hart am Wind: Galopprennen in Hoppegarten

Gargantus gewinnt das Rennen (c) Christian Martin

Christian Martin (Fotos) & Nic (Text) : Britische Fähnchen auch in Hoppegarten: Hier für Sir Lester Piggott. Eine britische Jockey-Legende,der mit seinen inzwischen 75 Jahren heute aber die mondäne Klubtribüne wesentlich anziehender findet als den Galoppersattel. Er war Stargast beim Rennen am vorigen Sonntag auf der Galopprennbahn Hoppegarten. Außerdem dabei: drahtige Rennpferde, ehrgeizige Jockeys, alte Rennhasen, Damen mit Sommerhüten und langen Schlangen vor den Wettschaltern.

>> Das Fotoalbum

Es gibt alte Hasen, die verbringen den ganzen Renntag mit der Zigarre vor dem Wettschalter, vergleichen Tipps und geben eine Wette nach der anderen ab. So gesehen auf der Trabrennbahn in Marienfelde und ebenfalls in Hoppegarten. Wer mehr sehen will, geht erstmal in den Führring. Auf dem Rasenfeld zeigen sich die Galopper, bevor der Jockey aufsitzt und zum Start reitet. Im Führring wird scharf beobachtet. In drei Reihen stehen die Wetter und Zuschauer dicht gedrängt: Ist das Pferd in Form, ist es angespannt oder kaum zu bändigen? Hat es das dicke Winterfell immer noch nicht abgestreift? Schwitzt es schon vor dem Start?

Nach und nach kommen auch die Jockeys in den Führring, in weißen Hosen und knallbunten Blousons. Während sie in den Sattel gehoben werden, wachsen die Schlangen an den Wettschaltern. Das Wetten ist in Hoppegarten keine reine Expertensache: Ab 1 Euro kann man auf seinen Favoriten setzen, es gibt sogar Wettschalter für Einstieger. Und der Nachwuchs wird angefixt mit Kinderwetten – ohne Geldeinsatz und mit Süßigkeiten als Prämien. Nach und nach wird es auf dem großen Platz zwischen Führring und Tribüne leer, die Zuschauer strömen zur Rennbahn. Das exklusive Klubhaus lässt einen Hauch britischer Rennklassik rüberwehen. Die Plätze auf der Haupttribüne sind teuer mit 20 bis 40 Euro pro Person. Und den größten Spass und Nervenkitzel spürt man auf den Stehplätzen direkt an der Rennbahn. Wer öfter kommt, bringt schonmal fachmännisch das Fernglas in Anschlag. Viele breiten ihre Decken aus, setzen sich drauf mit der ganzen Familie und machen Picknick.

Die Galopper auf der Zielgeraden (c) Christian Martin

Dann wird es langsam ernst, die Jockeys und Rennpferde galoppieren los in Richtung Startmaschine. Die ist soweit weg am anderen Ende der Rennbahn, dass erstmal der Rennbahnsprecher Kopfkino macht. Welches Pferd geht als erstes in die Startmaschine, wer zickt rum? Dann die Startglocke und es geht los. Atemraubend ist der Moment, wenn die Galopper auf die Zielgerade und voll in Sicht sind kommen. Spätestens dann steigt der Puls. Schön, als Wilfried Kujath in Freundentänze ausbricht: Sein Dunkelschimmel Nigt Prince geht als erster durchs Ziel. Er platzt vor Glück bei der Siegerehrung, während Jockey Jozef Bojko den Wallach liebkost.

Überhaupt sind die Siegerehrungen ein abwechslungsreiches Spektakel: Erst werden die Galopper zum Absatteln geführt, schweißnass. Und während Kujath auch am Hermannplatz zu Hause sein könnte, schiebt bei der nächsten Siegerehrung eine Christine von Bremen ihre Chanel-Tasche in die Kameras. Hier kommt auch die Jockey-Legende Lester Piggott wieder ins Spiel: Er klettert von der Klubtribüne herab, um dem Sieger des höchstdotierten Rennens, “Hauptrennen” genannt, das Silbertablett zu überreichen. Versprochen wird anschließend eine Autogrammstunde mit dem Star aus Großbritannien. Und am Arm seiner tiefdekollierten Dolmetscherin macht sich Sir Lester Piggott dann auch auf den Weg zum Bus der Berliner Rundfunks, wo bereits gut 50 Menschen in einer Schlange auf ihn warten. Eine ältere Dame hinter mir schwärmt: “Ich habe ihn schon in den siebziger Jahren in England reiten sehen. Ein wahrer Gentleman, ausgezeichnete Manieren.” Der sieht das inzwischen offenbar anders und winkt nach zehn geschriebenen Autogrammen ab: “Nur noch ein paar Kinder, dann ist Schluss.” Zwei Drittel der Schlangesteher haben umsonst gewartet, eine robuste Berlinerin boxt mich noch schnell in die Seite: “Nicht dass jetzt die von hinten nach vorne drängeln, dit wär ‘ne Unverschämtheit.” Aber da zieht Sir Lester auch schon mit seiner Dolmetscherin von dannen.

Big Titus und Andreas Helfenbein (c) Christian Martin

Der nächste Renntag ist am Sonntag, 8. Mai 2011 ab 12 Uhr. Diesmal mit russischen Fähnchen: Galoppiert wird u.a. um den Deutsch-Russischen Freundschaftscup unter den Augen des russischen Botschafters als Schirmherr.

Links:

>> Die Galopprennbahn Hoppegarten im Web

>> Das Fotoalbum von bierstattblumen auf flickr.com

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