“mauerpark” Film feiert diesem Sonntag Premiere beim “achtung berlin”-Festival

(c) Dennis Karsten

“Mich interessieren Außenseiter, Menschen außerhalb der Norm”, sagt Dennis Karsten. Subkulturen reizen ihn, Mainstream lässt ihn kalt. Von seinem Zuhause im nördlichen Prenzlauer Berg ist der Weg kurz zum Mauerpark. “Dort ist die letzte Freak-Oase im Prenzlauer Berg”, sagt Karsten. “Sonst ist die alternative Szene weggezogen und hat den Prenzlauer Berg verlassen.” Den Mauerpark und seine Menschen lernte er richtig schätzen, als es ihn selbst vor einigen Jahren immer öfter dorthin verschlug, um seinem damals akuten Liebenskummer die Zähne zu zeigen.

Die immer öfter werdenden Besuche im Mauerpark waren anfangs der Auslöser für den Film. Gedreht zum größten Teil im Sommer 2009. “mauerpark” heißt er und feiert diesen Sonntag (17. April) Premiere beim Berlin-Filmfestival “achtung berlin”, das heute startet. “Mauerpark” ist ein Dokumentarfilm, zusammengesetzt aus vielen einprägsamen Porträts der Menschen, die das Charisma des Mauerparks mit ausmachen. Um es poetisch auszudrücken. Eine Freak-Parade mit viel Herz, könnte man auch sagen. Dr. Motte tritt auf. Joe Hatchiban, Held des Sonntags-Karaokes. Und: viele Menschen, die auf ihre Art die Atmosphäre des Parks prägen. Nicht gedreht hat Karsten die Alkoholiker und Drogendealer, die den Mauerpark auch prägen – aus Respekt vor ihnen.

Der Autor und Regisseur des Mauerpark-Films: Dennis Karsten

“Für die Luftaufnahmen sind wir die Innenröhren der Flutlicht-Scheinwerfer vom Jahn-Stadion hochgestiegen”, erzählt Karsten. “Das erste Mal komplett ohne Licht, weil der Hausmeister das nicht gefunden hat. Das zweite Mal mit Licht. Und das war fast noch extremer: Wir hatten ständig die ganze Fallhöhe aus den Augenwinkeln im Blick”, sagt der Filmemacher. “Aber die Aufnahmen sind Gold wert für den Film.”

Gedreht hat Dennis Karsten seinen Film ohne die Unterstützung eines großen Teams. Der enge Kern der Mannschaft sind: Dennis Karsten selbst für die Idee, Kamera, Schnitt und Interviews. Außerdem Matthias Börner als zweiter Kameramann und Jennifer Lynn Edelmeier als Aufnahmeleiterin. Vom ersten Moment bis zur Premiere haben dann aber rund 130 Personen mitgewirkt, viele davon in der Post-Produktion.

Dennis Karsten und Matthias Börner haben nicht mit einschlägigen Filmkameras gedreht, sondern mit Fotoapparaten, mit denen man auch Filmaufnahmen machen kann. “Das hat vor allem zwei Vorteile. Die Kamera zieht nicht die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich, die ich interviewe. Die Protagonisten vergessen nach einer Weile, dass sie gerade gefilmt werden.” Außerdem kann man das Bild gezielt mit Schärfe und Unschärfe gestalten. “Mit der Videokamera ist einfach alles immer nur scharf”, sagt Karsten.

Für Karsten ist es die Premiere als Dokumentarfilmer. Erfahrung hat er zuvor als Regisseur und Editor (Cutter) von Musikvideos und Werbefilmen gesammelt – und damit einige Preise gewonnen. Musikvideos dreht er inzwischen nicht mehr. “Aber die Werbefilme sind für mich weit mehr als ein Brot und Butter-Geschäft. Ich mag die komprimierte Art, Geschichten zu erzählen”, sagt er. Aber eben auch das lange Format des Dokumentarfilms. Der nächste Film wird wohl wieder eine Subkultur zum Thema haben, mehr verrät er nicht.

Szene aus dem Mauerpark-Film (c) mauerpark-the-movie.com

Jetzt steht der naheliegende Wunsch an: Dass Filmverleiher den Film “Mauerpark” in die Kinos bringen. Ob der Film im Tiefen Westen Berlins, in Charlottenburg oder Schöneberg, auf ähnlich breite Resonanz stößt wie im Prenzlauer Berg, in Mitte und im Wedding, da ist Karsten skeptisch. Aber im Ausland könnte das Interesse noch größer sein. Denn das Publikum im Mauerpark ist international, jedes Wochenende treffen sich dort Menschen von den Osterinseln bis Spitzbergen. Und im Film spiegelt sich das wider.

“Und ich will den Film im Mauerpark zeigen, klar”, sagt Karsten. Aus dem Mauerpark stammt auch der komplette Soundtrack zum Film: Entweder sind es Bands oder Musiker die live im Mauerpark spielen, oder die Dennis Karsten dort getroffen hat. Authentischer geht es nicht.

„mauerpark“ beim achtung berlin-Filmfestival:

Sonntag 17. April um 18.15 Uhr
Filmtheater am Friedrichshain
Bötzowstraße 1-5 * Prenzlauer Berg
T 42 84 51 88

Montag 18. April um 18 Uhr
Passage Neukölln
Karl-Marx-Straße 131
T 68 23 70 18

Mittwoch 20. April um 18.30 Uhr
Filmtheater am Friedrichshain
Bötzowstraße 1-5 * Prenzlauer Berg
T 42 84 51 88

Links:

>> mauerpark – der Film
>> mauerpark-the-movie auf facebook
>> Der Beitrag auf der Webseite der Freunde des Mauerparks
>> Das Filmfestival “achtung berlin” vom 13. bis 20. April 2011

Posted in berlin.kultur, berlin.stadtwelt, Blog and tagged with , , , , . RSS 2.0 feed.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>