Auf einer höheren Welle: im Stadtbad Steglitz wird „Puff” gespielt

Das Stadtbad Steglitz (cc) Chris Gabert via flickr.com

 

Von Olaf Forner :: „Puff“ heißt das Stück von Gabriel Barylli, das das clubtheater berlin zurzeit im Stadtbad Steglitz spielt. Der erfolgreiche Werbemanager Martin will für sich nur das Allerbeste und landet in den Armen der Prostituierten Maria. Er will Sex gegen Geld – und bekommt etwas ganz anderes. Olaf Forner hat das Stück gesehen.

Über das Thema Prostitution ist in den vergangenen Jahren einiges in Büchern und Zeitungen geschrieben worden. Meistens aus der Sicht von Frauen, die ausgestiegen sind, oder von Männern, die nur zur Recherche im Milieu unterwegs waren.
Für jemand, der wie ich aufgrund seines Berufes als Lieferant seit 16 Jahren mit dem Gewerbe zu tun hat, ist oft schwer zu schlucken, was dort an verzerrter Darstellung auftaucht. Ich habe das Stück „Puff“ im Stadtbad Steglitz aus Sicht eines Insiders betrachtet. Und die Begrüßungsfrage des männlichen Hauptdarstellers als einziger mit „Ja! Ich war schon mal im Puff“ beantwortet.

Ich war begeistert zum Schluss des Stückes – dargestellt wurde ein Stück Realität. Vielleicht ist es kein großes Theaterstück. Aber es ist ein realitätstreuer Blick auf einen Aspekt, der oft im Alltag einer Prostituierten vorkommt. Und das ist bei diesem Thema viel wert. Ein Mann, der in Wirklichkeit nicht wegen des Sex auf der Couch liegt, sondern der im geschützten Rahmen der Prostitution ein Stück seiner Seele preisgibt.

Männer lassen an ihrem Innersten nicht wirklich gerne jemanden teilhaben, sie behalten ihre wahre Gefühlswelt für sich und halten ihre Fassade aufrecht. Wenn sie dann eher zweifelnd und unausgeglichen in ihrer Beziehung leben, erliegen sie mitunter der Versuchung, für bezahlten Sex in den Puff zu gehen. Um ohne Beziehungsarbeit sexuell etwas zu erleben.

Sind sie dann für bezahlten Sex im Bordell, passiert erstaunlicherweise oft viel mehr. Hier kehren sie ihr Innerstes nach außen, hier scheint ihr geheimes Inneres sicher. Zwei Dinge machen in meinen Augen das Geheimnis aus: Nur Alkohol und sexuelles Begehren lassen bei Männern bestimmte Grenzen fallen. Und wenn das weibliche Gegenüber dann die richtigen Fragen zur richtigen Zeit stellt, hebt sie den Mann gefühlsmäßig regelrecht auf eine Welle hoch.

So ergeht es Martin, dem Protagonisten dieses Stückes. Ein erfolgreicher, aber seelisch vereinsamter Menschen, der im Rausch seiner Sinne ein Stück seiner Sehnsucht preisgibt. Am Ende zerstört er sich seine gewonnene Freiheit selbst. Weil er nicht erkennt, dass die Frau ihm geholfen hat, zu sich selbst zu finden, und er in ihr eine Partnerin sehen will. Als sie das Geld einfordert, das ihr zusteht, zieht er sich wieder in seine Welt zurück. Dass diese Frau gerade eine Höchstleistungsarbeit an ihm vollbracht hat, das will und kann er zu seinem Schaden nicht sehen. Dass Prostituierte täglich viel mehr leisten als Sex zu bieten, sollte anerkannt werden. Und dass sie ihr Geld hart verdienen und ehrlich erarbeiten – auf alle Fälle ehrlicher als der Werbemanager in diesem Stück .

Nächste Aufführungen: 29. und 30 April 2011

>> Stadtbad Steglitz
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