re:publica 2011: Öffentliche Daten aus der Dunkelkammer holen

Die Eröffnung der re:publica 2011 im Friedrichstadtpalast (cc) Jonas Fischer/re:publica

Die re:publica 2011 ist in vollem Gang. Sie ist eines der bedeutendsten Treffen von Bloggern, Journalisten und Social Media-Experten weltweit. Von Mittwoch bis Freitag wird im Friedrichstadtpalast und in der Kalkscheune über Fragen der digitalen Gesellschaft diskutiert. Auf bierstattblumen.de berichte ich über meine Eindrücke, auf der Webseite der re:publica und bei twitter (#rp11) gibt es fast endlos mehr Details nachzulesen und zu sehen.

Die Themen von bierstattblumen.de am 1. Tag:

1. Open data – öffentliche Daten sollen für mehr Transparenz beim Regieren sorgen
2. Revolutionen, twitter & co. – Welche Rolle spielen social media bei den sozialen Revolutionen in der arabischen Welt, in Afrika und in Südamerika?

Open data – öffentliche Daten aus der Dunkelkammer holen

Das Thema gewinnt zunehmend an Bedeutung: Open data. Dahinter steht die Idee, dass Regierungen und andere Akteure die Daten veröffentlichen, die sie sammeln. Und so allen Interessierten ermöglichen, aus diesen Daten nützliche Informationen zu machen. Zum Beispiel, wo genau das Geld hinfließt, das die Bundesregierung ausgibt. Oder ein Beispiel aus Großbritannien: Welche Spesen die Abgeordneten abrechnen. Ausgenommen von Open data sind ganz klar alle Daten, die die Privatsphäre berühren.

Auf der re:publica gab es heute fast den ganzen Tag lang Diskussionen zu diesem Thema. Und immer war der Raum knackepacke gefüllt, das Interesse sehr groß.

Rufus Pollock von der Open Knowledge Foundation machte den Anfang. “Die veröffentlichten Daten müssen dann auch wirklich von allen bearbeitet und weiter verwendet werden können”, sagte er. “Deshalb ist es wichtig, dass es Standards für die Datenformate gibt.” Die renommierte Open Knowledge Foundation ruft derzeit erstmals den Wettbewerb “Open Data Challenge” aus, bei dem Open data-Spürnasen 20.000 Euro für ihr Projekt bekommen können.

Carl-Christian Buhr von der EU-Kommission versprach, er und seine Chefs bei der EU würden sich für eine wirklich verbesserte Datentransparenz auf EU-Ebene einsetzen. Konkreter Anlass: Zurzeit wird die EU-Direktive über Informationen aus dem Öffentlichen Sektor (PSI – Public Sector Information) überarbeitet.

Bei dem Thema Open data mischt auch Google kräftig mit. So diskutierte denn auch u.a. Max Senges im anschließenden Panel mit. Er ist Mitgründer des Expertenkreises für Internet & Gesellschaft Co:llaboratory und arbeitet im Googles Politik Team in Berlin. Im Panel wurde klar, die Experten wünschen sich, dass die öffentlichen Daten für jeden kostenfrei verfügbar sind. Damit solle kein Geld gemacht werden. Rentieren soll sich das Ganz trotzdem irgendwie. Und hier kommen dann Apps und Service mit ins Spiel, die helfen, mit den Datenmengen übersichtlich umzugehen und sie zu analysieren.

Ein konkretes Beispiel für Open data in Deutschland, das auf der re:publica elobt wurde: Der MOGDy in München, der Munich Open Government Day.

In Berlin findet am 18. Mai der Open Data Day 2011 statt.

Revolutionen, twitter & co.

Twitter, facebook & co. sind wichtig, aber ohne eine starke Zivilgesellschaft geht in puncto Revolution gar nichts. Weder im arabischen Raum, noch in Afrika und auch nicht in Südamerika. Das Thema zog sich durch den Nachmittag. Den Titel der ersten großen Runde wollte denn auch niemand so einfach unterschreiben: “Modern revolutions are digital revolutions”. Amira Al Huassaini (Bahrain), Claire Ulrich (entral- und Westafrika) diskutierten mit Ludger Schadomsky (für die Deutsche Welle vorwiegend in Äthiopien unterwegs).

Besonders vielversprechend: In Afrika haben immer mehr Menschen über ihr Handy einen mobilen Internetzugang. “Auch in entlegenen Dörfern, die keine Elektrizität haben. Aber die Bewohner kommunizieren selbst über weite Strecken via sms und twitter”, erzählt Claire Ulrich.

Viel mehr noch als facebook ist twitter das Werkzeug für Revolutionäre. Leicht zugänglich, leicht zu bedienen und vielerorts in der ganzen Welt zu lesen.

Rosana Hermann (cc) Jonas Fischer/re:publica

Rosana Hermann, eine der beliebtesten Bloggerinnen Brasiliens, brachte es auf twitter-Länge: “Social Media is not just about being able to talk, but about being heard.” Ganz hervorragend gelungen ist das dem 17-jährigen Rene Silva in der brasilianischen “Favela do Alemao”. Als seine Favela von der brasilianischen Polizei gestürmt wurde, um Drogendealer hochzunehmen, fing er an aus der Favela heraus zu berichten. In kurzer Zeit folgten 40.000 auf twitter seinen Berichten, darunter mehrere große TV-Stationen. Auf twitter ist er unterVoz da Comunidade zu finden.

Die argentinische Journalistin Vanina Berghella betonte denn auch, dass es in Lateinamerika weniger um politische Revolutionen gehe, schließlich seien bis auf Kuba alle Länder Demokratien. Aber Medienrevolutionen seien wichtig. Denn viele Medien seien nicht wirklich unabhängig, sondern abhängig von ihren privaten Eigentümern oder dem Staat. Deshalb seien twitter und facebook so wertvoll, weil sie unabhängige Nachrichten in die Welt hinaus tragen können.

Rene Silva (Voz da Comunidade) auf youtube – in portugiesich:

Links:

“A Tunisian Girl” hat gerade den Best of Blogs-Award gewonnen >>

>> die Open Knowledge Foundation
>> Open Government in den USA
>> Blog von Zeit.online über open data
>> Blog von Politikprofessor Philipp Müller über Open data und das Regieren

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