re:publica: “Hinter jedem Cent steht ein Gesicht” – Kreativfinanzierung im Web

Die Bar25 (cc) flickr.com / antenne

Öffnet das Web neue Wege für die Finanzierung kreativer Projekte? Auch darum ging es gestern am dritten und letzten Tag der re:publica 2011. “Crowdfunding” heißt das Buzz-Wort: Viele Menschen haben die Chance, das Projekt schon mit kleinen Finanzierungsbeiträgen möglich zu machen. Geschafft haben das Nana Yuriko und ihre Kollegen, die die Post-Produktion ihres Films über die Bar 25 (siehe Foto) mit der Unterstützung vieler Menschen im Web auf den Weg bringen konnen.

Geschafft haben das auch die Leipziger Band “A Forest”, die über eine Webplattform eine neue EP der Band finanziert haben. Chris Strauß und seine Kollegen, die so ihr neues Videospiel “Saber Rider and the Star Sheriffs” entwickeln können. Und die Lauscherlounge in Kreuzberg, die via Crowdfunding ihre beliebte Hörspielserie über den Privatdetektiv Richard Diamond fortführen können. Noch ein Beispiel aus dem Journalismus: Der freie Journalist Richard Gutjahr hat direkt aus Kairo von der Revolution in Ägypten berichtet (Foto unten). “Zunächst war Geld wirklich das letzte woran ich in diesen Momenten gedacht habe”, sagte er auf der re:publica. “Aber als dann die erste sms einlief, dass meine Handymonatsrechnung über 500 Euro steigt, und bald darauf die zweite kam, da wusste ich – ich muss was tun.” Und er bat seine Blog-Leser, Freund und Bekannte über das Internet um finanzielle Unterstützung. Das gelang überraschend gut. Hier sein Resumé.

Demonstration auf dem Tahrir-Platz in Kairo im Februar 2011 (cc) flickr.com / RamyRaoof

Crowdfunding steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Es gibt erst wenige Projekte, die auf diesem Weg finanziert worden. In den USA ist Crowdfunding zwar bekannter, aber auch noch nicht weit verbreitet. So schätzt Maxwell Salzberg die Lage in seinem Heimatland ein. Bekannt wurde er als einer der Macher von diaspora. Für ihr diaspora-Projekt sammelten sie via die US-Crowdfunding-Plattform kickstarter über 200.000 US-Dollar ein. Diaspora soll eine open source-Alternative zu Facebook werden, die die Privatsphäre deutlich besser schützt.

Einig sind sich alle Crowdfunding-Kreativen, die heute auf der re:publica von ihren Erfahrungen erzählt haben: Es ist kein Selbstläufer, sondern viel harte Arbeit. “Wir kommunizieren ständig mit den Menschen, die uns Geld geben. Auch jetzt, wo wir das Geld haben, auf jeden Fall solange bis der Film in die Kinos kommt”, sagte Nana Yuriko. Eigentlich sei die Betreuung und Organisation des Crowdfunding für sich allein schon ein Vollzeitjob, sagte auch Lisa Laux von der Lauscherlounge.

Unabdinglich für den Erfolg: eine bereits lebhaft engagierte Fangemeinde, eine Community die die Macher und ihre Ideen mögen. Schon bevor die Crowdfunding- Idee an sie herangetragen wird. Wird es ernst damit, heißt es: reden, reden, reden. Allein zu warten, das jemand auf die Web-Plattform kommt und Geld gibt, führt zu nichts. “Auf Freunde, Bekannte und mögliche Unterstützer zugehen und für uns werben, das war ganz wichtig”, sagte Maria Tarcsay, die so mit ihren Kollegen eine Prototypenserie für ein Kameraschwebestativ finanziert hat.

Gelingt das Crowdfunding, ist nicht allein das Geld die Belohnung. Bar25-Filmemacherin Nana Yuriko bringt es so auf den Punkt: “Hinter jedem Cent steht ein Gesicht.”

Weitere Informationen:

>> co:funding auf der re:publica 2011

>> Crowdfunding-Plattformen in Deutschland:
startnext
inkubato
pling
visionbakery
mysherpas

Posted in berlin.stadtwelt, Blog, Zukunft and tagged with . RSS 2.0 feed.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>