Sehnsuchtswegweiser

"Eimerflug" (c) grundkonzept via flickr.com

Zukunft ist jetzt, sagt man doch. Und nirgendwo wird das einem bewusster als im Traum. Als ich letzte Nacht im Traum geheiratet hab, war von Flucht keine Rede, nur von Blumen und Meer und Ausblick, und ihm – das war mir wichtig. Und im Traum konnte ich im Augenblick Entscheidungen treffen und ich wusste, sie verändern meine Zukunft … Die Hörkolumne von Lissy Pernthaler.

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Das Transskript zur Hörkolumne:

Emilia sucht das Glück
Eine Hörkolumne von Lissy Pernthaler
Folge 04 zum Thema Zukunft

Sehnsuchtswegweiser

Zukunft ist jetzt, sagt man doch. Und nirgendwo wird das einem bewusster als im Traum. Als ich letzte Nacht im Traum geheiratet hab, war von Flucht keine Rede, nur von Blumen und Meer und Ausblick, und ihm -das war mir wichtig. Und im Traum konnte ich im Augenblick Entscheidungen treffen und ich wusste, sie verändern meine Zukunft.
Gezweifelt hab ich dennoch, aber ich hab gedacht: Das hier ist das Glück, warum schreist du der Angst nicht ins Gesicht. Oder, ja, warum bedanke ich mich bei meiner Angst nicht und sage ihr: Ich brauche dich jetzt nicht mehr. Bis hierher und nicht weiter. Und dann sind wir zum Altar geschritten.
Der Traum ist unsere Übungsplattform. Wenn ich im Traum vor meinen Verfolgern weglaufe und angstvoll versuche, die immer länger werdende Straße davonzulaufen, gelingt es mir doch manchmal einfach ins nächste Bild zu springen. Stehen zu bleiben und zu sagen: „Moment, das ist mein Traum, ich schreibe ihn um! Ich entscheide mich anders.“
Dass wir keine Entscheidungen treffen, sondern Erfahrungen machen, habe ich von Aruna. Entscheidungen, die unsere Zukunft beeinflussen, belegen wir oft mit richtig und falsch. Ich sage, es gibt nicht richtig und falsch. Und Betty lächelt, sieht ihren Kleinen an und sagt: “Doch, ihn abzutreiben wäre falsch gewesen.“ Ein kurzes Aufblitzen von dieser was-wäre-wenn-Zukunft. Diesem reinen Konsequenzen-Denken. Emilia, sage ich mir, so ein Gedanken-Karussell raubt dir die Erde unter den Füßen weg.
Oft habe ich Angst zu wünschen, merke ich. Aber dann denke ich an die Worte einer Lehrerin, die mich bis heute immer noch begleiten: „Entwirf dich selbst!“ „Entwirf dich selbst!“
Mein alter Freund sagt, dass er irgendwann glücklich sein wird. Er will mich damit beruhigen und mir sagen, ich brauche mir keine Sorgen machen. Er will sich damit beruhigen. Liegt da das Geheimnis des Glücks verborgen? Dass wir sowieso die Zukunft anziehen, die wir uns im tiefsten Herzen wünschen? Dann ist es vielleicht gar nicht so schlecht von der Traumfabrik Hollywood die Happy Ends vorgesetzt zu bekommen – immer und immer wieder – weil sie uns zum träumen anregen, weil sie in uns allen, selbst bei der größten Abwehhaltung eine Saite in uns anzupfen, die sagt: Alles wird gut. So wie es auch Fernsehfrau Nina Ruge jeden Tag zu ihren Zuschauern gesagt hat, es wurde schon zur Prophezeiung: „Alles wird gut, bis morgen!“
Ich habe mal gelesen, dass Depressionen Sehnsucht nach Zukunft sind. Und da schlägt mein Herz hin.
Denn Sehnsucht heißt schon Fortgang, knospen und Wachstum. Wir müssen uns wieder trauen uns zu wünschen. So zu wünschen, dass wir es aber jederzeit loslassen können. Aruna sagt, dass der erleuchtet wird, der es unbedingt will, aber bei dem nicht das Leben davon abhängt.
Neale Donald Walsch sagt, wir müssen keine Lektionen lernen, wir müssen uns nur erinnern. Müssen wir uns an die Zukunft erinnern?

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