Stiftung will den Mauerpark vor der Bebauung retten – große Vorstellungsrunde

Von Nicole Walter : Heute hat sich im Wedding die Stiftung für den Mauerpark als “Welt-Bürger-Park” vorgestellt. Sie will das nötige Geld sammeln, um den Mauerpark vor einer Bebauung zu retten. Als Unterstützer der Stiftung agieren künftig Politiker wie Volker Ratzmann (Die Grünen) und Stefan Liebich (Die Linke). Außerdem ist der taz-Journalist Peter Unfried mit dabei. Das Ziel ist Kauf der Flächen für die Erweiterung des Mauerparks durch die Berliner. Demnächst kann man symbolischer Pate eines Stücks Mauerpark werden, Flash Mobs sind geplant, die Schauspielerin Heike Makatsch, die Musiker von Rammstein und andere Künstler werden für die Kampagnen werben. Am 7. Mai fand die erste die Vollversammlung der Stiftung öffentlich im Amphittheater des Mauerparks statt.

Pralle voll in der Aprilsonne: Der Süden des Mauerparks. Damit hier nicht gebaut wird, will die Stiftung mehrere Millionen Euro einsammeln.

Eine Hausnummer, wieviel Millionen Euro es braucht, um das Areal für die Mauerpark-Erweiterung zu kaufen, wollte Stiftungsvorstand Heiner Funken nicht nennen. “Mehrere Millionen” würden es sein, nur soviel sagte er heute dazu bei der Vorstellung der Stiftung in einem Pressegespräch. Denn der Kaufpreis hängt u.a. davon ab, welche Nutzung dort möglich ist, ob es als Grünfläche ausgewiesen wird oder als teures Bauland. Und hier ist das Bebauungsplanverfahren derzeit in der Schwebe. Zum Eigentümer der Flächen, der Immobiliengesellschaft Vivico, bestehe derzeit noch kein direkter Kontakt, sondern über “Mittelsmänner”. Beim Zeitplan blieb Funken vage: “Es dauert so lange, wie es dauert. Wir werden uns nicht unter Termindruck setzen lassen.” Volker Ratzmann schob entschlossen nach: “Wir werden Gas geben und zügig messbare Ergebnisse vorlegen.” Ratzmann ist Fraktionssprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Die Grünen in Berlin seien geschlossen gegen eine Bebauung des Mauerparks, sagte er. Im Bezirk Mitte hatten die Grünen in der Vergangenheit gemischte Signale ausgesendet.

Hintergrund: Das Areal für die Mauerpark-Erweiterung gehört heute der Immobiliengesellschaft Vivico. Die will dem Land Berlin zwar knapp sechs der insgesamt zehn Hektar schenken – aber nur wenn sie auf dem Rest bauen darf. Gegen einen solchen Deal haben sich viele Bürgerinitiativen und Berliner gewehrt – und schließlich auch die Abgeordneten im Bezirk Mitte, die darüber entscheiden. Derzeit gibt es in der Bezirksverordnetenversammlung des Bezirks Mitte keine Mehrheit für die Bebauung, das Verfahren ruht daher bis nach den Wahlen in Berlin am 18. September 2011.

Sie stehen hinter der Mauerpark-Stiftung: Rüdigervon Wegener (Stftungsvorstand), Stefan Liebich (Die Linke), Stefan Richter (Grüne Liga), Volker Ratzmann (Bündnis 90/Die Grünen), Silvia Kollitz und Heiner Funken (Stiftungsvorstände), Peter Unfried (taz), Frank Möller (Stiftungsvorstand)

“Von unten nach oben” will die Mauerpark-Stiftung künftig agieren und sich ein breites gesellschaftliches Spektrum von Unterstützern aufbauen. Das sagten Silvia Kollitz und Heiner Funken heute. Zusammen mit Claudia Hering sind sie die Vorstände der im Oktober 2010 gegründeten Stiftung. Sportler, Künstler, Umweltschützer Musiker und viele andere wollen sie dafür gewinnen. “Auch viele kleine Spenden von vielen bringen uns weiter”, so Kollitz. Funken spricht von “frischen Methoden”, um das Geld einzusammeln: im Internet soll der Mauerpark in Pixeln symbolisch an Unterstützer-Paten gehen, Flash Mobs sollen via Internet viele Menschen mobilisiern. Heike Makatsch und Rammstein wollen eigene Flyer und kurze Filmspots dazu beisteuern. “Außerdem werden wir gezielt Firmen ansprechen, um sie als Spender zu gewinnen. Im Gegenzug können sie die ‘Weltmarke’ Mauerpark für sich nutzen”, sagte Funken.

In breiter Diskussion soll auch entschieden werden, wie nach einem Kauf des Areals die Grünflächen gestaltet werden sollen. “Den Park gestalten dann die Bürger”, sagte Frank Möller und nannte als Vorbild den “Bürgerpark” in Bremen, der durch das Engagement von Bürgern entstanden ist und gepflegt wird. Auf die Arbeit der Mauerpark-”Bürgerwerkstatt”, die seit gut einem Jahr an der Grünflächengestaltung für neue Mauerpark-Flächen arbeitet, wollen Funken und seine Stiftungskollegen nicht zurückgreifen. Die Bürgerwerkstatt sei grundsätzlich falsch aufgebaut, weil sie zu sehr an die Eigeninteressen des Bezirks Mitte geknüpft sei.

Der Mauerpark (gelb markiert) und Mitte von der Kugel des Fernsehturms aus gesehen. Der Mauerpark sei eine wichtige Frischluftschneise für Berlin, er sorge für Kühlung und dafür, dass Niederschläge versickern können. Darauf wies Stefan Richter von der Grünen Liga heute hin. Auch er unterstützt deshalb die Stiftung: "Wir brauchen jeden Quadratmeter Grün."

Der Stiftungsrat soll die Vorstände künftig in ihrer Arbeit unterstützen. Ihm gehören neben Volker Ratzmann auch Stefan Liebich (Bundestagsabgeordneter für Die Linke, direkt gewählt im Bezirk Pankow), der taz-Journalist Peter Unfried, Stefan Richter von der Grünen Liga und Volker Hassemer an. Hassemer war früher für die CDU im Berliner Senat, 1981 war er der erste Umweltsenator Berlins.

Eine Initiative, die sich für den Ausbau des Mauerparks einsetzt, ist bei der Stiftung nicht mehr dabei: die “Freunde des Mauerparks”. Rainer Krüger von der Bürgerinitiative war bei dem heutigen Pressegespräch dabei. Er findet die grundsätzliche Idee einer Stiftung für den Mauerpark-Ausbau unterstützenswert. Allerdings bedauert er, dass die Arbeit der Bürgerwerkstatt von der Stiftung abgelehnt wird. “Dort arbeiten Menschen aus dem Wedding und dem Prenzlauer Berg zusammen und wollen die beiden Bezirke im Mauerpark zusammenbringen”, sagt Krüger. Die Bürgerwerkstatt als “Geburtsfehler” abzuhaken, werde dem nicht gerecht.

Links:

>> Die Mauerpark Stiftung Welt-Bürger-Park im Netz

>> bierstattblumen im Januar 2011 über den Start der Stiftung

>> Der Blog “Die Kieze im Dialog” ist aus der Bürgerwerkstatt hervorgegangen und verknüpft die Mauerpark-Anrainer im Brunnenviertel im Wedding mit dem Gleimviertel in Prenzlauer Berg.

>> Dominique Hensel (Kiezreporterin im Brunnenviertel) über die Vorstellung der Stifung – auch aus Weddinger Sicht

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