Rütli oder Rosenbüsche – Gärtnern beim Festival “48 Stunden Neukölln”

"Hand in Hand" wird aufgebaut, 1935 (c) Frank Radix

 

Die Gärtner der Neuköllner Kolonie “Hand in Hand” feiern das Festival “48 Stunden Neukölln” – vielleicht ist dieses Wochenende das letzte Mal. Denn die Gärten sollen dem neuen Campus Rütli weichen. Doch an diesem Wochenende wird erstmal aus dem Vollen geschöpft. Samenbomben basteln, Improvisationstheater, Insektenführungen … und einiges mehr.

“Hand in Hand” beim Festival 48 Stunden Neukölln

Rückblick. Vor gut drei Wochen wurde der Grundstein für den Ausbau des Campus Rütli gelegt. Eine große Feier, natürlich fehlte auch Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky nicht. “Wo Neukölln ist, da ist vorne. Und wenn Neukölln hinten ist – dann ist hinten vorne. Das ist das Motto von Neukölln.” In der Welt von Heinz Buschkowsky. Das Motto war Teil seiner Rede am 20. Mai auf dem Campus Rütli – bevor der Grundstein gelegt wurde für die Quartiershalle, die dort an der Pflügerstraße entstehen soll. Während dort “Freude schöne Götterfunken gespielt wurde, herrschte nur zwanzig Meter in der Gartenkolonie “Hand in Hand” wenig Freude.

Drei Meter hinter der Bühne, auf der Buschkowsky und die Schirmherrin Christina Rau die Grundsteinlegung feiern, haben sie Gärtner mit Blumen geschmückte Tische mit Kaffee, Kuchen und Apfelschorle aufgestellt. In Blumentöpfen stecken kleine Schilder: “76 Jahre Hand in Hand”, “Wo ein Wille, da ein Weg” und “Es gäbe Kompromisse!” steht darauf. Kaum jemand beachtet sie. Als sich das Rütli-Fest am frühen Nachmittag langsam leert, war niemand von den Feiernden da. Frank Radix, einer der Gärtner, steht enttäuscht am Zaun.

Für Heinz Buschkowsky ist Bildung das Allerwichtigste. Kindern und Jugendlichen in Neukölln gute Zukunftschancen zu geben, das zähle. Da müssten dann auch alle an einem Strang ziehen.
Das sehen die Gärtner von Hand in Hand nicht anders. Viele von ihnen haben nichts gegen die Erweiterung und Förderung des Campus Rütli. Aber sie wünschen sich, dass dafür nicht die Gärten zerstört werden, sondern gemeinsam mit den Schülern Lern- und Projektangebote im Grünen entstehen. Schließlich werden andernorts mühevoll Schulgärten neu geschaffen und finanziert, während hier an der Rütlistraße so viele Gärten schon stehen. Sie fragen sich, warum ihr Angebot, mit den Schülern zusammen zu gärtnern und die Gartenkolonie zu erhalten, nicht von den Bezirksverordneten und den Stadträten diskutiert wurde. Holger Robbers ist selbst Sozialpädagoge und auch Familientherapeut. Seit 2010 gärtnert er mit seiner Familie auf einer Hand in Hand”-Parzelle. Er sagt: “Ich finde, dass mit dem Campus Rütli ein sehr gutes Projekt entsteht. Es ist gut, was dort passiert.” Aber warum müsse dafür das Bestehende zuerstört werden, warum brauche es einen neuen Sportplatz, wenn direkt schon gegenüber ein großer Sportplatz ist?, fragt er. “Hand in Hand steht für über 75 Jahre gelebtes Miteinander. Auch das hat einen Wert für den Kiez.”

Nach dem Aufschrei eines Lehres an der ehemaligen Rütli-Schule im Neuköllner Reuterkiez hat sich die Schule in den vergangenen Jahren zu einem Leuchtturmprojekt entwickelt, in das viele Millionen Euro fließen und schon geflossen sind. Und das inzwischen zu einem “Bildungsverbund” angewachsen ist. Dazu gehört neben der ehemaligen Hauptschule jetzt auch auch Kita-, Berufsausbildung- und Elternprojekte.


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Mehr:

>> “Rütli oder Rosenbüsche”: bier statt blumen im Oktober 2010 über die “Rütli oder Rosenbüsche”: Gespräche mit Gärtner, Rütli-Schülern und dem Architekten
>> Der Blog von “Hand in Hand”
>> Campus Rütli: Die Webseite
>> Grundstein gelegt: Die Neuköllner Nachrichten über die Grundsteinlegung im Mai 2011
>> “48 Stunden Neukölln”-Blog: Die Neuköllner Nachrichten berichten

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