
Von Caroline Pankert | Fotografien
und Johanna von Stülpnagel | Interview
Migration klingt nach weiten Strecken, Wanderungen durch die Wüste und Überwindung großer Gegensätze. Jemand wandert aus, ein und immer weiter in die Welt hinaus. Was aber, wenn jemand einfach nur einen Schritt über die Alpen wagt und ins Nachbarland zieht?
Ist es die Distanz, deren Weite die Fremdheit bestimmt, oder reicht auch schon ein kleiner Umzug in eine andere Stadt, um noch einmal ganz neu anfangen zu müssen?
Das Interview – Hinsichtlich der sprachlichen Heimat trafen wir uns auf der Mitte.
Das Interview ist in Englisch gehalten worden:
Chiara und Alessandro zogen vor gut einem Jahr mit ihrer 3-jährigen Tochter Teresa von Rom nach Berlin, vornehmlich aus Neugierde auf Neues. Gerade der einen Heimat entwachsen, schlagen sie seitdem Wurzeln im Lichtenberger Kaskelkiez.
An Wohnung, Möbel und Arbeit zu kommen, stellte sich, dank tatkräftiger Mithilfe durch Freunde, als erstaunlich machbar heraus – Berlin empfing seine Neuankömmlinge mit offenen Armen.

Chiara und Alessandro lernten sich Jahre zuvor durch ihren Beruf kennen; beide sind Tätowierer und Piercing-Spezialisten, die aus ihrer Arbeit ein leidenschaftliches „full-time“-Hobby gemacht haben.
Inspiriert von Literatur zur Subkultur der „Modern Primitives“ veranstalten beide Performances, in denen sie sich Schmerzen durch Piercings oder Suspensions (Aufhängung an der eigenen Haut, auch “body hurt” genannt) zufügen. Neben ihrer Leidenschaft für Schmerz und Tattoos sind sie noch: Köchin in Teresas vegetarischer Kita und Verkäufer in einem Plattenladen.
Ihre Wohnung ist liebevoll mit ausgewählten Einzelstücken eingerichtet und versprüht den Charme eines spontanen Arrangements. Das Badezimmer in warmen Bonbonfarben ist voller Spielzeug, unter dem Küchentisch hat es sich der betagte Hund der kleinen Familie bequem gemacht. Bei Chiara und Alessandro fühlt man sich binnen kürzester Zeit zu Hause.
Doch sind auch sie in Berlin angekommen oder ist ihre Heimat noch immer jenseits der Alpen?








Die Freizeitbeschäftigung der beiden ist schon gewöhnungsbedürftig.
Abhängen in familiärer Atmosphäre
Das kann manchmal aufgrund zu hohen Körpereigengewichts schon sehr gefährlicher werden, oder?
Nein, die beiden machen das schon sehr lange und haben Erfahrung. Weh tut’s sicher, das ist ja auch der Reiz, und es bleiben Narben. Aber richtig gefährlich ist es nicht, wenn man das richtig angeht.