Die Buşkowsky-Jugend wirbelt durch Neukölln

Screenshot von der Webseite der Buskowsky-Jugend

Mitte August war es soweit: Die Buşkowsky-Jugend startete ihre Polit-Satire. Ihr Namensgeber: Heinz Buschkowsky, der Bürgermeister von Neukölln. von der Buşkowsky-Jugend gerne “Patriach von Neukölln” genannt. Ihre Mission: Ordnung ins wilde Neukölln bringen. Frei nach dem Motto ihres großen Vorsitzenden: “Wo Neukölln ist, ist vorne!” Seit ihrem Start hat die Buşkowsky-Jugend viel Furore gemacht: mit der Forderung nach einem “bewachten “Camp Tempelhof, in dem alle Neu­köll­ner Kin­der und Ju­gend­li­che vom ers­ten bis zum 16. Le­bens­jahr nach deut­schen Sit­ten er­zo­gen und ge­bil­det wer­den”. So steht es in ihrem Manifest. Oder mit der Zukunftsvision “Monokulti statt Multikulti”. Im August setzten sie ihrem Idol ein Denkmal und hissten auf den Neukölln-Arcaden eine Flagge mit dem neuen Namen Buşkowsky-Basar. Ein Un­ter­ge­schos­s für die Un­ter­schicht, die Er­rich­tung eines Busch­kow­sky-​Mu­se­ums und der Umbau des Mul­ti­plex-​ in ein Mo­nop­lex-​Ki­no sollen folgen.

Alle Aussagen der Buşkowsky-Jugend beruhen auf Original-Zitaten von Heinz Buschkowsky.

Bier statt Blumen hat der aufstrebenden Buşkowsky-Jugend einige – natürlich vollkommen ernst gemeinte – Fragen gestellt:

Umbenannt in "Buskowsky Basar": die Neukölln Arcaden

// 1. Heinz Buschkosky hat jüngst Richter am Amtsgericht Tiergarten als “Schlafmützenjustiz” und “Schwachmaten” bezeichnet, weil sie einen Gastwirt freigesprochen hatten, der Jugendlichen Alkohol ausgeschenkt haben soll. Also aus aktuellem Anlass: Brauchen Berliner Richter ein Extra-Training à la schneller, härter, aufsehenerregender – bessere Urteile für Neukölln?

Buşkowsky-Jugend: Vielleicht geben wir uns erstmal die Hand und wünschen uns vernünftig Guten Tag, bevor Sie hier so mit den Fragen reinplatzen? Gut. Wissen sie, wir haben in Neukölln nur noch sieben Jahre Zeit bis sich die „Menschen in Nordneukölln die Köpfe einschlagen“ und das Leben „nichts mehr mit Mitteleuropa zu tun hat.“ So hat es unser Idol im Tagesspiegel vom 10.10.2008 formuliert. Die Uhr läuft. Wir sehen es wie Heinz Buschkowsky: „Wer böses tut, soll Böses erleben, denn sonst weiß er ja nicht, dass er etwas falsch gemacht hat.“ (Beckmann, 16.5.2011) Deswegen wollen wir, die Buşkowsky-Jugend einen bösen Ort schaffen. Camp Tempelhof wird ein solch böser Ort sein. Dort wollen wir alle Sechzehnjährigen „notfalls auch gegen die Eltern“ erziehen. So hat ER es ja auch z.B. in der Welt vom 24.11.2009 gefordert.

// 2. Heinz Buschkowsky, von Ihnen gerne Patriach von Neukölln genannt, schreibt in seiner Drei-Gedanken-Kolumne zum Schulanfang: “Oft fehlen zu Hause die Unterstützung und das Üben. Lernen ohne Üben geht nicht. Auch wenn der Fernseher noch so groß ist.”
Braucht es öffentliche Veranstaltungen à la “Eltern üben mit ihren Kindern für die Schule”, vor dem Neuköllner Rathaus zum Beispiel? Bei Nicht-Teilnahme oder schlechten Schulnoten der Kinder könnte die Sozialhilfe gekürzt werden?

Buşkowsky-Jugend: Ich freue mich sehr, dass Sie offenbar so aufmerksam die Werke unseres Idols genau lesen. Weiter so. Wo sie den Rathausplatz ansprechen: Wichtig wäre mir aber, dass auf dem Rathausvorplatz, mit Ausnahme des Platzcafé, niemand mehr Alkohol trinkt und es „keine Exzesse auf dem Platz“ gibt. So hat es auch unser Idol am 20. Juli 2002 der Berliner Zeitung gegenüber verlautbart.

// 3. In einem Leserbrief wurde der Vorschlag an uns herangetragen, auf dem Camp Tempelhof ein Bio-Kartoffelfeld anzubauen. Als praktische Auseinandersetzung mit den Kartoffeln und als Weg hin zu einer gesunden Bio-Ernährung. Was halten Sie davon? Schließlich werden Deutsche gerne mal herablassend als Kartoffeln bezeichnet?

Buşkowsky-Jugend: Mit den Kartoffeln auf dem Tempelhofer Feld … es gibt sie ja, aber dazwischen … alles Kraut und Rüben. Ich kann ihnen Bilder zeigen … Wir wollen getreu unserem Motto: „Monokulti statt Multikulti“ alles raus, einmal umpflügen und dann rin mit die Kartoffeln. Erste Schritte, die Kartoffel in Neukölln wieder heimisch zu machen, haben wir allerdings bereits unternommen. Gemäß der Klage unseres Idols, dass auf Neuköllner Schulhöfen „Kartoffel“ als Schimpfwort benutzt wird, haben wir bereits vergangene Woche gemeinsam mit unserem Idol Bio-Kartoffeln in Biobrotdosen gepackt. So soll die Kartoffel auf Neuköllner Schulhöfen wieder heimisch werden. Außer IHM war auch die Biobrotdosen-Botschafterin Marion Kracht, Renate Künast und die Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher von der LINKEN da. Sie sehen also, dass die Ziele unserer Bewegung mittlerweile auch bei den anderen Parteien ankommen. Wir hoffen, dass wie diese Parteien dann auch bald auflösen können.

Hier muss das Ordnungsamt einschreiten: Defekte Kartoffelbeleuchtung auf dem Tempelhofer Feld. Foto: Buskowsky-Jugend

Bei der Biobrotdosenveranstaltung konnte man gut sehen: So funktioniert Anpacken und bürgerschaftliches Engagement. Ganz uneigennützig und ohne Hintergedanken haben mehrere Biogroßhändler ihre qualitativ hochwertigen, wohlschmeckenden, bekömmlichen, gut verdaulichen und äußerst gesunden Lebensmittel in Brotdosen verpackt. Toll! Es ist eine Verantwortungslosigkeit von vielen Hartz-IV-Beziehern, dass sie diese tollen Produkte nicht für ihre Kinder kaufen. Stattdessen geben sie diese wie unser Idol sagt, lieber für Zigaretten und Alkohol und Alkohol aus. Sagt ER auch in der Morgenpost vom 25.11.2009 so … Jetzt sehen die Kinder wenigstens mal, was eine Möhre (Marion Kracht) oder eben auch, was eine Kartoffel ist.

// 4. Nochmal ein Buschkowsky-Zitat aus seiner Bild-Kolumne “Klartext” vom 20. Juli – über die Hilfe für Roma-Familien in Neukölln: “Ein selbstständiger Zettelverteiler kann nun einmal schwerlich eine Familie mit neun Köpfen ernähren. Uns bleibt nur die undankbare Aufgabe, vor Ort den sozialen Frieden zu bewahren und die Situation irgendwie zu meistern.” Sind wirklich alle Roma-Väter selbständige Zettelverteiler, gibt es dazu statistische Erhebungen? Kann man ihnen keine ordentlichen Arbeitsplätze verschaffen ?

Buşkowsky-Jugend: Hier kann ich nur unseren Bürgermeister zitieren, der in der Bezirksverordnetenversammlung häufig klar, deutlich und anpackend sagt: „Entsprechende Daten werden nicht erhoben.“ Bei der Frage der „Inseln“ von Roma-Familien aus Bulgarien und Rumänien, die unser Idol Heinz Buschkowsky im Report aus Mainz am 28.8.2011 erwähnte, sind wir bisher auf dem Rixdorfer Teich nicht fündig geworden. Wir gehen davon aus, dass die „Inseln“ als Metapher zu verstehen sind oder wir noch einmal beim Britzer Zweigkanal nachschauen müssen. Zum Glück suchen bereits unsere Freunde von der CDU mit: Khalil Nader hat bereits im vergangenen Jahr in der Bezirksverordnetenversammlung nach der veränderten Kriminalitätsentwicklung durch Roma-Familien gefragt … ist bisher aber auch nicht fündig geworden … Ich möchte aber noch einmal auf einen schönen Satz von Heinz Buschkowsky zurückkommen. Wir erleben, dass in Neukölln die Menschen mit dem Möbelwagen abstimmen. So sagt ER es auch im Spiegel vom 8.2.2010 und der NZZ vom 19.9.2010 und auch sonst bei jeder Gelegenheit. Wenn aber Leute mit dem Möbelwagen abstimmen, kommt es oft zu schlimmen Verletzungen. Schließlich können sie einen Möbelwagen nur schwer anheben oder in eine Wahlurne stecken. Ich habe Ihn mal ein Bild mitgebracht, vielleicht können sie das mal für ihre Leser abdrucken …

// 4. Wenn der Patriach von Neukölln bei den Wahlen im September Erfolg hat, was kommt? Ein Fackelzug durch die Karl-Marx-Straße, ein Deutsches-Monokulti-Volksfest auf dem Hermannplatz, … ?

Buşkowsky-Jugend: Sicher keine facebook-Party auf dem Rathausplatz …

// 5. Welche neuen Aktionen plant die Buşkowsky-Jugend?

Buşkowsky-Jugend: Wir werden uns natürlich weiter damit beschäftigen, die Werke des GröBeBaZ, des größten Bezirksbürgermeisters aller Zeiten zu verfolgen. In seiner Bescheidenheit hat er uns einen kleinen Wink gegeben, dass wir uns nicht immer nur mit der Lobpreisung seiner Person beschäftigen soll, sondern auch der seeligen Kirsten Heisig gedenken sollen: „Irgendwann, wenn auch die Vorschriften nichts dagegen haben, sollte man dieser außergewöhnlichen Person ein kleines Denkmal setzen. Und sei es nur das Namensschild für einen Platz oder eine Straße.“ Morgenpost vom 26.06.2011, Heinz, wir bemühen uns.

6. Meinung des großen Patriarchen zum Blog-Namen “bier statt blumen”?

Buşkowsky-Jugend: Wir bemühen uns immer die Worte des Patriarchen in der richtigen Weise auszulegen. Bei sehr speziellen Themen wie ihrer Frage ist das schwierig. Grundsätzlich denke ich aber, dass IHM ihr Titel zur Hälfte gefallen dürfte. Bier kommt in Kindergeld halBIERen vor – also positiv. Allerdings ist Heinz Buschkowsky ein Freund der Blumen. Deswegen dürfte ihm die Gegenüberstellung nicht behagen. In das CDU-Samisdat „Rudower Rundschau“ hat er sich sogar von seinem Anwalt Jonny Eisenberg einklagen lassen um klarzustellen: „Die SPD hat keine Blumen abgeräumt.“ Auf Blumen lässt unser Oberhaupt also nichts kommen.

mehr:

>> Die Buşkowsky-Jugend im Web
>> jetzt. de über die Buşkowsky-Jugend: “Die Ferkel von Neukölln” (25.8.2011)
>> Der Tagesspiegel über die Buşkowsky-Jugend: “Gegen das Buschkowsky-Patriarchat” (23.8.2011)

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2 Responses to Die Buşkowsky-Jugend wirbelt durch Neukölln

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