Ein Besuch bei den geretten Göttern vom Tell Halaf – die Ausstellung im Pergamonmuseum

Entdeckung der monumentalen Grabfigur am 12. März 1912 © Max Freiherr von Oppenheim-Stiftung, Köln

Noch eine Woche ist Zeit, die geretteten Götter vom Palast des Tell Halaf im Pergamonmuseum zu besuchen. Am kommenden Sonntag, dem 14. August, schließt die Ausstellung. Diese Woche ist sie deshalb extra lange geöffnet: jeden Tag bis 22 Uhr.

Die Ausstellung ist beeindruckend. Zu sehen sind in mehreren Sälen Götter und Tiere aus Stein, Reliefe und Gegenstände der Alltagskultur – entdeckt und ausgegraben hat sie der Forscher Max von Oppenheim zwischen 1899 und 1929 am Hügel “Tell Halaf” im Norden des heutigen Syrien. Sie gehörten zu den Überresten eines prächtigen Fürstenpalastes der Aramäer. Im ausgehenden 2. Jahrhundert vor Christus war die Siedlung am Tell Halaf gegründet worden.

Max von Oppenheim war Diplomat in Kairo, als ihm Beduinen während einer Reise durch den Orient von einem antiken Fürstenpalast am Tell Halaf erzählten. Oppenheim fuhr hin. Nach einigen Probegrabungen war er so begeistert, dass er wiederkam. Zeit seines Lebens hat ihn der Tell Halaf fasziniert.

Der Messjunge Holasch vor einem der beiden Skorpionenvogelmänner, Tell Halaf 1912/13 © Max Freiherr von Oppenheim-Stiftung, Köln

Mit Archäologen und einer großen Entourage unternahm er Anfang des 20. Jahrhunderts eine mehrjährige Ausgrabungs-”Kampagne”. Die ausgegrabenen Reliefe, Statuen und Fragmente wollte Oppenheim schon damals im Berliner Pergamonmuseum ausstellen. Doch dafür war nicht genug Geld da. 1930 eröffnete Oppenheim sein eigenes Museum, in einer ehemaligen Fabrikhalle in der Franklinstraße 3 in Charlottenburg. 1943 traf eine Fliegerbombe das Museum. Die Ausstellungsstücke verbrannte oder zerbarsten. So gut es ging, wurden die Überbleibsel gesammelt und in Keller des Pergamonmuseums gebracht. Dort lagerten sie rund fünfzig Jahre unbeachtet. Bis in den 1990er Jahren ein Konzept für die Restaurierung erarbeitet und die Finanzierung dafür aufgebracht wurde. 2006 gab es sogar erneute Ausgrabungen am Tell Halaf unter der Ägide des späteren Ausstellungskurators Lutz Martin.

Zu sehen sind in der Ausstellung im Pergamonmuseum neben den Statuen und Steinfragmenten denn auch viele Fotos und Videos, die viel von den Grabungsexpeditionen des Max von Oppenheim und den späteren Rettungsaktionen im 20. Jahrhundert zeigen. Sie zeigen von Oppenheim im Beduinenzelt und bei der traditionellen Kaffeezeremonie. Sie zeigen sein Museum in der Fabikhalle in Charlottenburg und die liebevoll ausgewählte orientalische Einrichtung seiner Wohnung in Berlin. In einem Video erzählt eine ehemalige Studentin, heute eine grauhaarige Dame, wie sie im 2. Weltkrieg mit in den Trümmern nach Überbleibseln des Tell Halaf-Museums gegraben hat.

Schön wäre es, in der Ausstellung selbst noch mehr über die akribische Arbeit der Restauratoren in den vergangenen zehn Jahren zu erfahren. In einer Lagerhalle in Friedrichshagen waren zu Beginn desTell Halaf-Projekts knapp 25.000 Fragmente auf 200 Paletten ausgebreitet worden. Restauratoren arbeiteten jahrelang daran, herauszufinden welches Fragment zu welchem Relief oder zu welcher Statue passt, und sie anschließend wieder zusammen zu setzen, so gut es geht.

mehr:

>> die Webseite zur Ausstellung
>> das Tell-Halaf-Projekt im Internet mit weiteren Fotografien und Details
>> “Das Riesen-Puzzle”: die Berliner Zeitung über das Zusammensetzen der Fragmente und die Kuratoren der Ausstellung (erschienen im Januar 2011)
>> Hans Huckebein, einer der Stars der Ausstellung, Facebook.

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