Berliner gärtnern mittendrin

Vielerorts in Berlin sind neue Stadtgärten entstanden. Auf Brachen, in Hinterhöfen und auf Plätzen. Wir stellen einige von ihnen vor. Darunter auch einen, der kein Newcomer ist. Den Volkspark Lichtenrade gibt es seit gut 30 Jahren. Klar, liegt jwd also “janz weit draußen”. Dafür wachsen dort die Bäume heute in den Himmel und Wolfgang Spranger ist ein Waldmeister aus dem Bilderbuch.

Alle Fotos sind im August und Oktober und während einer Gartentour im Juni mit Berlin 21 zum “Langen Tag der Stadtnatur” aufgenommen. (Fotos und Text: Nicole Walter)

Der Prinzessinnengarten

Geht es um Grün in Berlin, ist der Prinzessinnengarten nicht weit. Mitgründer Marco Clausen hat neulich auch das Titelblatt der Zitty geziert. Keine Frage, um den Obst- und Gemüsegarten am Kreuzberger Moritzplatz ist ein Hype ausgebrochen. Völlig zu recht, finden wir. Schließlich haben wir selbst schon viele Stunden im Prinzessinnengarten verdaddelt. Zu sehen, riechen und schmecken gibt’s dort viele Sorten Obst, Gemüse und Kräuter. Und vieles, was irgendwie damit zu tun hat: Denn die Prinzessinnengärtner gehen nicht nur pflanzen. Sie haben zum Beispiel im Sommer die Stadtsafari mit Jugendlichen zusammen gemacht, waren im September Treffpunkt für Stadtgärtner aus ganz Europa. Und im November sind sie beim “Zellen – Urban farming” Festival des Hebbel am Ufer dabei.

Kartoffeln wachsen im Prinzessinnengarten in Säcken, nicht in der Erde. Gemüsen wird in Brotkörben und in Tetrapaks gepflanzt und ist damit jederzeit an anderen Ort verfrachtbar. Café wird im Container gekocht und aufs Klo geht man ebenfalls inmitten von vier Containerwänden. “Wir sind hier nur zur Zwischennutzung am Moritzplatz. Und wir haben den Ehrgeiz, den ganzen Garten jederzeit woanders wieder aufbauen zu können”, sagt Clausen.

Die beiden Gründer, Marco Clausen und Robert Shaw sind keine Gärtner. Müssen sie auch nicht. Schließlich werden dem Prinzessinnengarten, seitdem das erste Gemüse dort wächst, die Türen eingerannt. Ist nur wortmalerisch gemeint, denn jeden Tag ab eins stehen die Türen sowieso auf. Menschen aus der Umgebung, die mit fachmännischem Rat vorbei kommen, mit anpacken oder eigene Saaten mit einpflanzen, finden sich ein. Klingt alles zu idyllisch, um wahr zu sein? Die U8 hält direkt vor der Tür, aussteigen und rinnkieken.

Sehr hörens- und sehenswert dazu:

Ein Besuch der Küchenradio-Macher im Prinzessinnengarten >> Hören und beim Bienenzüchter im Prinzessinnengarten >> Hören.

Monocle hat im August ein Video über den Garten gedreht, das >> hier zu sehen ist.

Marco Clausen (links) und Robert Shaw

Der Kiezgarten in der Schliemannstraße

Der Kiezgarten in der Schliemannstraße 8 nahe dem Helmholtzplatz bekommt Zuwachs. Auf dem Nachbargrundstück rollen die Bagger, entstehen werden dort eine Streuobstwiese, ein Klettergarten und eine Liegewiese. Gepflegt wird der schon bestehende Nachbarschaftsgarten von einem harten Kern, nicht mehr als ein Dutzend Gärtner, darunter viele mit Kinder. Der Garten ist immer frei zugänglich, jeder kann einpflanzen und mitnehmen. Minze fürs Eis oder jetzt Quitten für den Gelee. Alles auf Vertrauensbasis.

Als Jugendliche hinter den Weinranken ein Graffitti an die Mauer gesprüht haben und dafür einige Pflanzen dran glauben mussten, gab’s Zoff – und einige Gärtner, die Jugendlichen verteidigt haben. “Die haben auch das Recht, sich hier auszutoben”, sagen sie. Aber ein schönes altes Sofa, besser als jede Parkbank, ist inzwischen verschwunden vom Treffpunkt der Jugendlichen im Rondell neben dem Garten. Leider.


Die Rosa Rose

Als Guerillagarten in der Kinzigstraße haben die Rosa Rose Gärtner in Friedrichshain angefangen. Das war 2004. Der Nachbarschaftsgarten war auf eine Brache entstanden und wuchs rasch. Doch dann wollte der Grundbesitzer dort ein Haus bauen. Rosa Rose musste weg.

Eine Zwischenunterkunft fanden die Gärtner an der Frankfurter Allee 14a, völlig versteckt hinter der ehemaligen Franz-Fühmann-Oberschule. Die Brache hinter der Schule ist nicht nur versteckt, sondern regelrecht unwirtlich. Die Rosa Rose Gärtner haben sich durchgebissen und seit diesem Sommer ein neues Domizil. Hinter den Häusern in der Jessnerstraße 3 und 13. Und das ist was Richtiges für grüne Seelen.

Zur >> Rosa Rose im Netz finden.

Menschen hinterm Mohn

Der Interkulturelle Garten in Lichtenrade

Gleich 3 Dinge auf einmal wollen die Lichtenrader Gärtner verknüpfen: Grün, Generationen Zusammensein und Interkulti. So heißt es denn auch komplett “Interkultureller Generationengarten”. Der ist noch ganz frisch, viele Beete sind noch frei. Hinter dem Garten stehen die ufa-Fabrik (genauer: ihr Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum Nusz) und die Bürgerinitiative “Rettet die Marienfelder Feldmark”. Hinter dem Garten fängt Brandenburg an und das spürt man sofort. Weiter Horizont, viele freies Land. Der Wunsch von Hinrich Scheffen, einem der Initiativen des Gartens, ist es, dort ein großes Gemeinschaftshaus mit Lehm, Holz und Strohballen zu bauen, in dem 50 Menschen schlafen und feiern können.

In der Nachbarschaft des Gartens wohnen viele Migranten aus Osteuropa, aus der ehemaligen Sowjetunion und aus Polen, zum Beispiel. Scheffen wünscht sich, dass sie, “die ihre Heimat verloren haben und zu Hause vielleicht einen eigenen Garten hatten”, hier ein grünes zu Hause finden. Und das Gärtnern ist da nur ein Teil von, es gibt Platz zum Grillen, zum Tischtennis spielen und für Basketball.

Viele >> Informationen über den Interkulturellen Generationengarten, über seine Entstehung und wie es weiter geht, stehen in der LIchtenrader Internetzeitung.

Vom Rasensprenger naschen

Der Volkspark in Lichtenrade

Wolfgang Spranger ist ein Waldmeister aus dem Bilderbuch. Seit gut 30 Jahren sieht er die Bäume im Volkspark Lichtenrade wachsen. Und wachsen hören tut er sie wahrscheinlich auch, denn der Mann scheint mit dem Park – der eigentlich ein Wald ist – verwurzelt. Ungefähr fünf Hektar ist der Volkspark groß und mittwochs und sonnabends ist “Arbeitseinsatz ab halb neun”. Morgens. Sagt Wolfgang Spranger. Der Verein, der den Wald groß gezogen hat, hat um die 100 Mitglieder laut Spranger, und acht bis zwölf sind voll und ganz bei der Sache und pflegen den Park komplett ehrenamtlich. Und im Sommer wirds schon mal eng im Park. Spranger erzählt von einer jungen Frau, die an einem heißen Sommersonntag auf ihn zukam – im Wirtschaftshof, wo die Maschinen und die Komposthaufen stehen – um ihn zu fragen, ob man denn auch dort mal grillen könne. Woanders im Park sei kein Platz mehr.

“Kein Vandalismus, keine Glasscherben, kein Müll”, zählt Spranger auf und reckt stolz die Brust. “Die Menschen hier achten auf ihren Park.” Natürlich komme es ab und zu vor, dass zum Beispiel eine zerbrochene Flasche auf dem Rasen ruht. Aber das sei selten.

Viele der Pflanzen, Parkbänke und Bauholz kommen aus dem Landkreis Cham im Bayerischen Wald, mit dem Spranger und seine Leute eine enge Partnerschaft aufgebaut haben. Und es ist wirklich erstaunlich: Wo heute der Wald sprießt, stand vor 1979 kein einziger Baum.

Und mit der S-Bahn via Südkreuz geht es relativ fix raus nach Lichtenrade. Vor Ort fährt der Bus oder das mitgebrachte Fahrrad.

Mehr über den Volkspark Lichtenrade und seinen Verein ist >> hier zu lesen.

Und auf Wikipedia ist eine Fotografie des Volksparks im Jahr 1984 zu sehen.

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One Response to Berliner gärtnern mittendrin

  1. Tante_Helga says:

    einfach, ein sehr guter beitrag und sehr kurzweilig!

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