Feature

“Architektur-Zoo” im Mauerpark?

Wie könnte der Mauerpark in ein paar Jahren aussehen? Entwürfe hierzu sind seit dem 19. März im Brunnenviertel zu sehen. Die Meinungen dazu gehen weit auseinander: Während ein Besucher von einem “Architektur-Zoo” spricht, findet es ein anderer wichtig, dass freie Flächen in Berlin “zur Diskussion stehen”. bierstattblumen hat Besucher am Eröffnungstag nach ihren Einschätzungen gefragt.

Die Immobiliengesellschaft Vivico und der Bezirk Mitte zeigen in der Ausstellung die Architektenentwürfe für eine mögliche Bebauung des Mauerparks im Norden (Wohnen) und im Süden (Gewerbe). Ob tatsächlich gebaut wird, ist unklar. Denn derzeit gibt es keine Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung für das notwendige Baurecht. Gegen die Baupläne gibt es starken Widerstand in der Bevölkerung (zur aktuellen Entwicklung >). Dennoch stehen die Politiker unter Druck: Denn wenn die Vivico nicht bauen darf, schenkt sie dem Land Berlin nicht die in Aussicht gestellten 6 Hektar Mauerpark-Erweiterung und dem Land droht eine Schadensersatzzahlung von mehr als 2,5 Millionen Euro.(Hintergrund >).

Der Entwurf von Carsten Lorenzen (Kopenhagen), 2. Wettbewerbssieger

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Wieder mehr rechte Angriffe in Berlin

Helga Seyb hätte gerne wieder von sinkenden Angriffszahlen berichtet, wie in den Vorjahren. Aber 2010 gab es wieder mehr rechte Übergriffe in Berlin: Sie berichtet von 109 im Jahr 2010, nach 102 im Vorjahr und 148 im Jahr 2008. Getroffen durch die Angriffe wurden im Vorjahr 184 Menschen in Berlin. Helga Seyb ist Beraterin bei ReachOut. Die Kreuzberger Institution berät und hilft Opfern rechter Angriffe.

Sebastian Wehrhahn von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Berlin (mbr) spricht angesichts der Wellen rechter Angriffe in Kreuzberg und Neukölln davon, dass “das subjektive Bedrohungspotenzial drastisch gestiegen ist”. Über eine Internetseite hatten Rechtsextreme gezielt zu Angriffen in Berliner Bezirken aufgerufen und diese organisiert. So gab es u.a. im Oktober 2010 den Brandanschlag auf das M99 in Kreuzberg. “Es wird versucht, eine Atmosphäre der Angst zu schaffen und Menschen einzuschüchtern”, sagte Wehrhahn. “Und über die Webseite wird versucht, weiterhin Angriffe vorzubereiten.”

Handfester Protest gegen eine Neonazi-Demonstration 2009 am Alexanderplatz

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KillArt: Provozieren ohne Waffe

KillArt im ehemaligen Kunstkeller Lichtenberg

Lorenz aka KillArt hat früher nachts auf der Straße mit Schablonen gesprüht. Irgendwann war ihm der “Hype des Illegalen” zu viel und ihm fehlte der Mut zu atemberaubenden Graffitti-Aktionen. Statt dessen sprüht er heute für Ausstellungen, u.a. im Kunstkeller Lichtenberg. Um gute Bilder zu machen, muss man kein Gangster sein, findet er. Wir treffen KillArt in der Rumbalotte, Lesebühne und Kulturkneipe im Prenzlauer Berg.

Interview: Johanna von Stülpnagel und Nicole Walter, Idee: Bastian Ernicke, Fotos: KillArt : 1. März 2011 Ein Kiosk in der Boxhagener Straße in Friedrichshain: Wir bringen unsere Printausgabe vorbei, der Sohn der Besitzerin schaut auf unser Titelbild und sagt: “Woaah, die haben es auf den Titel geschafft!” Wir schauen ihn an, mit großen Augen: Wer, bitteschön? “Na, die TCK-Crew”, sagt er. “Die tough city kids”. Tatsächlich, auf dem Photoautomaten auf unserem Cover prangt ein gesprayter Schriftzug TCK . Der Name der Sprayer-Crew. Und dass ihr Schriftzug, genannt Tag, auf dem Titel eines Magazins gelandet und dort verewigt ist, ist eine Auszeichnung für sie. Ihre Crew bekannt zu machen, darum geht es.

Lorenz aka KillArt ist sowas nicht so wichtig. Er sprayt auch, bevorzugt mit Schablonen. Früher auch nachts auf der Straße, inzwischen hat er eigene Ausstellungen. “Ich brauche nicht den Reiz des Illegalen. Ich kann als Sprayer mein politisches Anliegen auch anders verdeutlichen”, sagt KillArt. Politisch verortet er sich als “links bis linksradikal, kein aktiver Gewalttäter, aber zumindest Sympathisant”. Die Silvio-Meier-Demonstration, die jedes Jahr im November in Friedrichshain stattfindet, ist für ihn Standard. Silvio Meier, Hausbesetzer und Antifa-Anhänger, wurde 1992 im U-Bahnhof Samariter Straße von Neonazis erstochen.

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Der kreaturen verbund

Lissy Pernthaler schreibt für bier statt blumen – und sie ist Schauspielerin, Autorin und Performerin. Zusammen mit Can Fischer hat sie den “kreaturen verbund” gegründet. Der kreaturen verbund, das sind drei Sparten: Theater, Event und Theaterverlag. Zurzeit laufen die Vorbereitungen für eine szenische Lesung, die im Mai im Kreuzberger Literaturhaus Lettrétage zu sehen sein wird.

Can Fischer und Lissy Pernthaler lernten sich auf der Schauspielschule Charlottenburg kennen. Dort absolvierten beide ihre Schauspielausbildung bei Valentin Platareanu. Seit dem Zeitpunkt verband sie eine Freundschaft und eine Vision. Beide schreiben Texte, beide lieben das Theater und das Experiment. „Irgendwann war es der nächste natürliche Schritt, zusammen ein Stück zu schreiben. Wir hatten einen Titel, ein Grundgerüst und formale Vorgaben. Dann ging es los”, sagt Lissy Pernthaler. „Mich interessiert das Zwischenmenschliche, das ist ja das, was uns im Leben antreibt, was uns aber genauso verstrickt, darüber wollen wir schreiben. Ein Spiegel sein“, sagt Can Fischer. Es entstanden zwei gemeinsame Theaterstücke: Woiteks Kuss / In mir fällt Schnee und Volksmund. Die beiden Stücke sind frei zur Uraufführung, und Pernthaler und Fischer schreiben weiter. Beiden genügt es nicht zu schreiben und dann passiv zu bleiben. Sie sammeln Gleichgesinnte um sich, um für eine Produktion, ein Thema, eine Freundschaft zu verbinden.

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Liebig 14 geräumt

Polizisten auf den Dächern um die Liebig 14

Das alternative Wohnprojekt in der Liebigstraße 14 in Friedrichshain wurde  von der Polizei gewaltsam geräumt. Vor 20 Jahren war das Haus besetzt worden, zwei Jahre später wurde es legalisiert, seit Anfang Februar ist es Geschichte. 2.500 Polizisten waren laut Polizeiangaben den ganzen Tag über im Einsatz, immer wieder fackelte an verschiedenen Teilen Berlins Protest auf. Am Abend gab es eine große Solidaritätsdemonstration in Friedrichshain, die von der Polizei vorzeitig gestoppt wurde. Auch in anderen Städten wie Hamburg und Frankfurt am Main gab es Solidaritätsdemos.
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Stiftung für Mauerpark als Welt-Bürger-Park am Start

Do it yourself – nicht ohne Reibung, aber immer authentisch: der Mauerpark

“Wir machen es selbst” – und vollenden den Mauerpark. Als Welt-Bürger-Park, öffentlich, grün, frei. Das ist das große Ziel der gleichnamigen Stiftung, die jetzt damit beginnt, Geld zu sammeln und den Mauerpark vor einer anliegenden Bebauung zu bewahren. Ein Interview mit den Stiftungsmitgründern Heiner Funken und Sylvia Kollitz.

Von Nicole Walter : Heiner Funken, Sylvia Kollitz und ihre Stiftungskollegen haben ganz Großes vor. Genug Geld zu sammeln, um das zehn Hektar große Areal um den Mauerpark vor der Bebauung zu bewahren und den Mauerpark in seiner vollen ursprünglich geplanten Größe als “Welt-Bürger-Park” zu schaffen. Öffentlich, grün, frei. Das Spendenkonto ist jetzt eingerichtet und demnächst soll ein internationaler Workshop stattfinden, um die Webkampagne zu gestalten, sagten Funken und Kollitz gestern im bier statt blumen-Interview.

Neun Millionen Euro ist die Hausnummer. Soviel ist das zehn Hektar große Areal derzeit wert. Aber die neun Millionen sind eben auch “nur” eine Hausnummer, denn nicht das Geld allein sei das Ziel. Sondern ein so starkes Signal zu setzen, dass die Politik die Bebauungspläne in die Schublade zurücklegt und den Mauerpark vollkommen als Grünfläche plant, sagt Funken.

Eine Idee, die über den Mauerpark hinausgeht: “Dann machen wir’s eben selbst”, eine Protestbewegung, die über ein klares Nein hinausgeht und selbst gestalten will. Und ein großer Kraftakt: Alle Stiftungsgründer stehen mitten im Berufsleben und arbeiten ehrenamtlich. Sie wuseln sich im Feierabend durch das komplizierte Stiftungs- und Vereinsrecht und bereiten die Kampagne vor. “Wir hatten das Glück der Naivität, dass wir nicht wussten was formal auf uns zukommt”, sagt Funken. Ein Beispiel: Der gemeinnützige Verein für die Stiftung ist offiziell gegründet, aber noch nicht im Vereinsregister eingetragen, daher ist die Gemeinnützigkeit noch nicht bestätigt. “Wir warten täglich darauf”, sagt Sylvia Kollitz.

“Mauerpark is our Park” -
das Demonstrationsmotto soll Wirklichkeit werden.

Die Chancen dafür, dass die Stiftung für den Mauerpark als “Welt-Bürger-Park” hohe Wellen schlägt, stehen gut. Denn gegen eine anliegende Bebauung mit Hotels, Gewerbe und einer Wohnsiedlung gibt es seit langem großen Widerstand. Von den Menschen in Berlin, von Menschen aus aller Welt, die den Mauerpark kennen, und auch von Politikern. Kein Politiker in den Parlamenten der zuständigen Bezirke Pankow und Mitte und in der Abgeordnetenversammlung Berlins hat sich für die Bebauung als Wunschlösung ausgesprochen. Allein die leeren Kassen Berlins würden dazu zwingen. Hintergrund: Das Areal für die Mauerpark-Erweiterung gehört heute der Immobiliengesellschaft Vivico. Die will dem Land Berlin zwar knapp sechs der insgesamt zehn Hektar schenken – aber nur wenn sie auf dem Rest bauen darf. Auf einen solchen Deal wollen sich die Stiftungsgründer, viele Bürgerinitiativen und Berliner nicht einlassen. “Wir nehmen es selbst in die Hand” ist ihre Devise. “Mauerpark is our Park”, mit diesem Motto ist zum Beispiel die Initiative “Mauerpark fertigstellen” in den Protest gezogen.

“Um das zu schaffen werden wir uns ganz klassisch mit der Sammelbüchse in den Park stellen, außerdem Konzerte und Führungen durch den Mauerpark veranstalten, und das Internet nutzen”, sagt Funken. Flashmobs sind eine Idee: Über das Internet werden spontan viele Menschen zu Aktionen für den Mauerpark aufgerufen. Allein zu Schneeballschlachten im Görlitzer Park kommen so durch die Flashmobs Hunderte von Menschen zusammen. Über 5.000 Stimmen und Zuschriften für den Parkausbau und gegen die Bebauung hätten sie allein im September von Menschen aus aller Welt bei einer Vor-Ort-Aktion im Mauerpark bekommen, erzählt Kollitz.

Das Mauerpark-Areal kurz nach der Wende (c) Christian Martin

Doch zeitgleich wird andernorts schon an der Bebauung gefeilt: Der Bezirk Mitte hat den Entwurf des Bebauungsplans präsentiert, die Vivico hat acht Architekturbüros zu einem Wettbewerb eingeladen, dessen Ergebnisse sie schon im Februar präsentieren will. Eine “Bürgerwerkstatt” arbeitet seit dem Spätsommer an Ideen für die sechs Hektar Parkerweiterung, die die Vivico dem Land Berlin als Dankeschön für ein großzügiges Baurecht im Norden und Süden des Parks geben will.

Die Allianz-Stiftung hatte in den neunziger Jahren 4,5 Millionen für die Pflanzung des Mauerparks gegeben, mit der Auflage, dass Berlin 2,5 Millionen zurückzahlen muss, wenn der Park bis 2010 nicht zehn Hektar groß ist, wofür die sechs Hektar von der Vivico notwendig sind. Doch die Allianz-Umweltstiftung gewährt einen Aufschub bis in dieses Jahr hinein.

Dennoch, ist die Zeit nicht viel zu knapp für die Stiftung Welt-Bürger-Park, sind nicht schon zu viele Marken in Richtung Bebauung gesetzt? “Vor den Wahlen zum Abgeordnetenhaus im September wird nichts festgezurrt. Jeder Politiker weiß, dass ein Beschluss in Richtung Bebauung im Wahlkampf wie ein Bumerang auf ihn zurückschlagen wird”, sagt Funken. Zudem gebe es momentan keine Mehrheit dafür in den zuständigen Parlamenten. Die Allianz-Stiftung habe signalisiert, “dass sie unserer Sache nicht abgeneigt ist”. Funken weiter: “Über die Zukunft des Mauerparks wird schon so lange gestritten. Da war vor zwanzig Jahren mal eine Autobahnauffahrt geplant, und die Menschen haben aus Protest neben den Wachtürmen gepicknickt und das verhindert. Die Bürger haben den Park Stück für Stück der Stadt abgerungen. Und es gab immer ein Hand voll Hanseln, denen es gelungen ist, eine Bebauung zu verhindern. Und es wird uns auch diesmal gelingen. Wir werden zu Null gewinnen”.

Der Entwurf für den Bebauungsplan

Links:

>> Die Stiftung Welt-Bürger-Park

>> Bericht über das Zwischenkolloqium der Bürgerwerkstatt

>> Hintergründe auf der Seite von “Mauerpark fertigstellen”

>> aus dem Archiv: bier statt blumen über den Mauerpark | September 2009

Ein guter Tonmeister ist zur Hälfte Irrenarzt

Jürgen Crasser (links) und Tom Müller

Bevor es für einen Musiker auf die große Bühne geht, geht es meistens erst mal ins Studio. In der Stille des schalloptimierten Aufnahmeraums stehen sie sich dann gegenüber: Sänger und Tontechniker, Kreativität und Technik. Backstage – hinter den Kulissen der Musikproduktion arrangieren die Tontechniker dabei sowohl Töne als auch Menschen. Jeder, der schon mal Karaoke gesungen hat weiß: es ist ein intimer Moment, wenn die Stimme zum Instrument wird. Jürgen Crasser und Tom Müller waren beide quasi ihr Leben lang die Person hinter der Glasscheibe, die mal antreibt, mal bremst. Crasser war viele Jahre einer der leitenden Tonmeister beim DDR Rundfunk, Müller Cheftontechniker auf der anderen Seite der Mauer, bei den legendären Hansa-Studios in West Berlin. Ihre Erinnerung gleichen und unterscheiden sich auf verblüffende Weise.
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Cowboys auf dem Berliner Asphalt ?

Selbst eine dichte Schneedecke und vereiste Straßen schrecken Fahrradkuriere nicht. Eine Frage der Ehre – und der Lust. “Genau mein Wetter”, sagt Mortimer. Und auch Ron Franz ist unterwegs auf dem Berliner Asphalt. Er fährt für die junge Kuriergenossenschaft Cosmo und spricht mit uns über sein Rad als “Schwert, Waffe und Waffel”, über Tempo und übers Älterwerden. Er legt uns das Keirin und das Cycle Culture Café ans Herz, der Laden ist eine Institution für Radkuriere an der Oberbaumbrücke.

Dort arbeiten Gary, Mortimer und Tuc, die auch den “Halloween Alley Cat” in Berlin organisieren. Eine Schnitzeljagd für Kuriere, ein Wettrennen mitten im laufenden Verkehr auf Berlins Straßen. Wir sprechen mit Tuc über seine Zeit als Radkurier, den Duft der Straße und die wirtschaftliche Seite des Kurierlebens.
Genau darüber haben sich auch die “Cosmonauten” viele Gedanken gemacht: Die Cosmo Kurier sind vor einem Jahr als Genossenschaft an den Start gegangen – um faire Arbeitsbedingungen in einem knallharten Gewerbe zu schaffen. Wir sprechen mit den beiden Vorständen Dennis Wendt und Ferdinand Lamkewitz über ihr erstes Jahr mit Cosmo. Let’s go!

Fahrradkurier Ron Franz frühmorgens auf der Glogauer Brücke

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