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Dreht eure T-Shirts um – heute ist Fashion Revolution Tag

fashionrevolution

Tragt eure T-Shirts, Pullis und Tops heute doch einfach mal verkehrt herum. So dass man sieht, wer’s gemacht hat und wo es herkommt. Heute vor einem Jahr ist in Bangladesh die Fabrik am Rana Plaza eingestürzt. Damit sich in Sachen fair produzierter Mode wirklich was ändert, hat die Modemacherin Cary Somers zusammen mit anderen den heutigen “Fashion Revolution Day” ins Leben gerufen. Unter dem Motto #insideout sind alle aufgerufen, heute ihre Kleidung mit dem Etikett nach außen anzuziehen, ein Foto davon auf Twitter oder Facebook zu posten und vor allem zu fragen, woher kommen meine Klamotten eigentlich.

Pfiffige Idee der Fashion Revolutionistas, die im jetzt auf- und schnell wieder abflauenden Medienrummels rund um den Rana-Plaza-Jahrestag ein herzhafter Tritt in den Hintern ist: Sei neugierig, finde heraus wo’s herkommt und tu was. Ich schaue immer noch öfters auf das Preis- als auf das Herkunftsschild. Ein paar mehr faire Klamotten hängen jetzt im Schrank, aber da ginge schon noch mehr.

Mit den Worten von Vivienne Westwood: “Buy less, choose well, make it last”.

Mehr als die Heldenkür für Edward Snowden – die Freiheit statt Angst Demo in Berlin

Edward Snowden ist ein Held. Das denken hier nicht nur viele, manche halten sich sein Konterfei demonstrativ als Maske vors Gesicht oder tragen ihn auf dem T-Shirt. Die “Freiheit statt Angst” Demo am Sonnabend in Berlin brachte gut zehntausend Menschen auf die Straße, die Veranstalter sprechen sogar von 20.000.
Dabei sind nicht nur Internet-Aktivisten auf dem Asphalt unterwegs: Junge Eltern schieben den Nachwuchs im Buggy durchs Demogetümmel, ältere Menschen laufen würdevoll im Zug mit, viele Jugendliche sind dabei. Angefangen hatte die Demo eher zäh: nur langsam tröpfelten die Demo-Teilnehmer auf den Alexanderplatz. Als die Redner zum Auftakt die Bühne betreten, ist die Stimmung gut und entspannt, aber wahre Begeisterung ist noch nicht zu spüren. Das ändert sich schlagartig, als Jacob Appelbaum ans Mikro geht. Der Internet-Aktivist, der für das Tor-Projekt arbeitet, zündet einen Funken.

Gut eine Stunde später ist der Demozug spürbar angewachsen, der Protest ist laut, bunt & friedlich:

… gut zu lesen:

Carolin Neumann schreibt hier auf ihrem Blog nachdenklich über den Protestzug.

Daniel Bröckerhoff hat hier live gebloggt.

Die Republica 2013: Yoana Sanchez, Panzer und eine Elefantenrunde

Die republica in diesem Jahr, für mich geballt in einer Nussschale: Yoana Sanchez, Panzer und eine Elefantenrunde.

Das Schönste an der republica ist, dass sie einen immer wieder über den eigenen Tellerrand schubst. Ich stoße auf Gesichter und Themen, von denen ich vorher gar nicht ahnte, dass sie mich interessieren könnten. Panzer und Soldaten in den Social Media, zum Beispiel, ist so ein Thema. Wäre ich nie im Leben hingegangen, hätte ich mich nicht im Raum geirrt. Aber was Thomas Wiegold und Sascha Stoltenow über die Digital Natives, die in den Krieg ziehen, erzählt und gezeigt haben, das war so spannend und kontrovers, dass ich mich dann nicht losreißen konnte.

* Thomas Wiegold bloggt auf Augen geradeaus und Sascha Stoltenow schreibt den Bender-Blog. Hier hat er über die gemeinsame republica-Session geschrieben.

Vor allem aber faszinieren mich auf der republica die Blogger und Digitalmenschen, die jenseits von Europa unterwegs sind. Afrika, Asien, Südamerika – den Entwicklungen auf anderen Kontinenten wird auf der republica viel Raum gegeben. Anders als so oft von Kritikern zu hören ist, ist die republica alles andere als eine Nabelschau und ein Klassentreffen der Digital-Szene Deutschlands, vielleicht noch Europas. Selten kann man soviel aus erster Hand über Netzkultur und digitales Leben außerhalb des eigenen Mikrokosmos erfahren.

republica2013_station

Die republica 2013 in Berlin.

Schwer beeindruckt hat mich diesmal …

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Rechtsextremismus: Mehr Menschen in Berlin verletzt

139 Gewalttaten und massive Bedrohungen hat die Berliner Opferberatungsstelle ReachOut für das Jahr 2012 dokumentiert. Das sind zwar 19 weniger als 2011, doch es wurden dabei mehr Menschen verletzt oder bedroht. 234 waren es im vergangenen Jahr, 229 in 2011. Die meisten Angriffe wurden in Neukölln und Friedrichshain verübt. Wie in den Vorjahren war Rassismus das häufigste Tatmotiv, neben Homophobie und Aktionen gegen politische Gegner und Alternative.

Anfang März stellten ReachOut und die Berliner Register ihre Beobachtungen rechtsextremer Aktionen in den einzelnen Berliner Bezirken vor:

Rechtsextremismus in Berlin from bier statt blumen on Vimeo.

 

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Das Ende des Internets wie wir es kennen?

Von Nicole Walter

Über Netzneutralität gibt es keine breite öffentliche Debatte. Dabei bestimmt sie, wie frei das Internet ist und wie stark die Nutzer kontrolliert werden. Darüber habe ich mit Jeanette Hofmann, Internet-Forscherin in Berlin, und mit Markus Beckedahl von der Digitalen Gesellschaft in Berlin gesprochen. Der Beitrag ist zuerst erschienen bei Fluter im Netz.

Sie prägt das Internet, wie wir es kennen. Dabei ist sie meist so selbstverständlich wie der Strom, der aus der Steckdose fließt. Erst wenn sie verletzt wird, fällt es schmerzlich auf. Die Netzneutralität. Sie ist einer der Kernideen des Internets: Alle Informationen sollen gleichrangig durch das Netz geleitet werden, egal welchen Inhalts, egal von wem sie kommen und an wen sie gehen. Kommt es zu vorübergehenden Engpässen, sollen alle Inhalte gleichberechtigt mit bester Anstrengung durch das Netz geleitet werden. „Das Prinzip der Netzneutralität hat das Internet groß gemacht“, sagt Markus Beckedahl, Vorstand der Digitalen Gesellschaft. „Niemand sitzt in der Mitte und entscheidet, was wir an Hardware, an Software und an Diensten nutzen.“

Ideologische, politische und wirtschaftliche Argumente prallen beim Thema Netzneutralität hart aufeinander. Wird die Netzneutralität verletzt – was weltweit öfters der Fall ist – ist es in etwa so, als dürfte mit dem Strom nur die Waschmaschine eines bestimmten Herstellers betrieben werden, der dafür einen Extra-Bonus an den Stromlieferanten zahlt. Und um das zu steuern, würde der Stromlieferant in Echtzeit erfahren, wofür wir den Strom gerade nutzen. Der Vergleich stammt von Jeanette Hofmann, die Wissenschaftlerin forscht seit gut fünfzehn Jahren zum Internet, zurzeit am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und am Institut für Internet und Gesellschaft. Sie hat wie Markus Beckedahl den Aufruf „Pro Netzneutralität“ unterzeichnet, weil sie dieses für sie wesentliche Fundament des freien Internets ernsthaft gefährdet sieht.
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Eine rosige Zukunft für den Prinzessinnengarten ist in Sicht

Eine gute Nachricht: Der Prinzessinnengarten hat große Chancen auf eine rosige Zukunft. Das Areal am Moritzplatz wird nicht verkauft. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat es sich zurückgewünscht, um den Prinzessinnengarten zu erhalten. Und der Liegenschaftsfonds hat kurz vor Weihnachten diesen Wunsch erfüllt und auf einen Verkauf an Private verzichtet. Marco Clausen, der zusammen mit Robert Shaw den Garten 2009 gegründet hat, erzählt im Video, was zum Erfolg führte und was davon auf andere bedrohte Gärten in Berlin ausstrahlen kann (ungefähr in der Mitte des Videos wird's kurz etwas düsterer, dauert aber nur ein paar Sekunden ;-) ).

Gute Aussichten für den Prinzessinnengarten from bier statt blumen on Vimeo.

Nun beginnen die Verhandlungen mit dem Bezirk über die Mietdauer und – höhe für das Areal am Moritzplatz, sagt Clausen. Fünf Jahre wären für ihn erstmal eine gute Zeit, um verlässlich planen zu können. Wenn der Garten länger bleibt, wären wohl viele Berliner und Berlin-Besucher glücklich. Clausen und Shaw wollen in diese Entscheidung aber am liebsten viele Anwohner und Nutzer einbeziehen: “Wir wünschen uns eine Bürgerbeteiligung, um zusammen zu diskutieren, was auf diesem Areal langfristig entstehen soll”, so Clausen.

> Die gute Nachricht auf der Webseite des Prinzessinnengartens.

 

 

 

Gewalt gegen Migranten in Berlin: Wenn die Hautfarbe zum Problem wird

Foto: Björn Kietzmann (http://www.flickr.com/photos/kietzmann/)

Foto: Björn Kietzmann (http://www.flickr.com/photos/kietzmann/)

 

7 Tage im Krankenhaus, 10 Monate arbeitsunfähig, dazu möglicherweise 45 Tage in Haft. Herr Kilic versteht die Welt nicht mehr. Als sein Sohn im Dezember 2010 von einem Mann am Sophie-Charlotte-Platz geschlagen wird, ruft er Polizeibeamte zur Hilfe und will Anzeige erstatten. Warum er denn Anzeige erstatten wolle, seinem Sohn fehle doch gar nichts, so der Polizist. Dieser habe zuvor in den Mund seines Sohnes geschaut und kein Blut entdeckt. “Das ist doch nichts”, versuche der Polizist ihn zu beschwichtigen. Doch Herr Kilic bleibt hartnäckig, er will Anzeige erstatten. “Hau ab, geh dahin zurück, wo du herkommst”, so habe der Polizist darauf reagiert. Wenige Zeit später liegt Herr Kilic am Boden im Schnee, ihm werden Handschellen angelegt, und ein Polizist schlägt ihm mit Sandhandschuhen gegen den Kopf, während mehrere Kollegen ihn am Boden festhalten. Erst viel später kann ihn sein Bruder vom Polizeirevier abholen und in ein Krankenhaus bringen, wo er aufgrund seiner Verletzungen eine Woche behandelt wird. So hat Herr Kilic vorige Woche bei einem Pressegespräch des Migrationsrates Berlin-Brandenburg und der Opferberatung ReachOut seine Erlebnisse geschildert. Er hat den Beamten wegen Körperverletzung im Amt angezeigt – doch möglicherweise wird nun Herr Kilic wegen Widerstands gegen Polizeivollzugsbeamte für 45 Tagen inhaftiert, nachdem das Verfahren bereits durch mehrere Instanzen gegangen ist.

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Mehr Gewalt von Rechts in Berlin

"Dem deutschen Mob entgegen" – Aufkleber der Antifa an der Bornholmer Brücke. Im Hintergrund ein Teilnehmer der Neonazi-Demonstration am 13. August 2011 am ehemaligen Grenzübergang Bornholmer Straße. Foto: Nicole Walter

Von Nicole Walter : 2011 gab es deutlich mehr Angriffe der extremen Rechte in Berlin. Die Opferberatungsstelle ReachOut meldet 158 Angriffe (2010: 109). Dabei seien 229 Menschen verletzt, gejagt und massiv bedroht wurden. Die Zahl der Angriffe, die extrem rechts, rassistisch, antisemitisch oder homophob motiviert sind, lag damit 2011 so hoch wie seit 2006 nicht mehr, sagten die Mitarbeiter von ReachOut heute. Mittlerweile ereigneten sich im Westen Berlins (80) mehr Angriffe als im Osten (78). Read More »